Mittwoch, 24.03.2010
23:10 » seniorenspango
grundsätzlich sollten sie sich mal eins merken: wenn sie mal auftanken wollen, ohne rücksicht auf den körper nehmen zu können, dann sollten sie nach wien fahren. denn hier kann man überall zu jeder zeit trinken. jeder kann hier trinken. schon am frühen morgen. die achtzigjährige mit dem kecken kinnbärtchen, das sich bald in den rädern des rollators verfangen wird, falls sich niemand findet, der einmal die heckenscheere beherzt ansetzen wird. aus dem gescherten könnte man eine wunderschön stabile kette für eine modische taschenuhr knüpfen. naturbelassene drahtige strukuren - quasi unzerstörbar. oder auch der ganzköpertätowierte, der ein wiener schnitzel mit vogerlsalat bestellt. beide plauschen etwas mit dem kellner. vielmehr ober. dabei ist auch hier eine generelle gleichbehandlung zu beobachten. allgegenwärtige ein herablassendes verhalten von erhaben-verbissener höflichkeit, die jegliche wahrheitsbasis vermisst. man weiß, dass man als gast stört. weiß aber auch, dass man bedient wird. was interessiert es mich denn, ob mich jemand mag? interessiert mich eh nicht. nicht mehr. hauptsache es funktioniert. mehr kann man einfach nicht mehr verlangen. wichtig ist, dass jeder gleich behandelt wird. meinetwegen auch gleich schlecht. man wird ja selber eher als funktion wahrgenommen. oft ja auch im halbprivaten. und dann darf man auch stören. das ist dann der gerechte ausgleich. ich werde wohl im dementen alter (so in zwei drei jahren) möglicherweise nach wien ziehen und mich tag und nacht in kaffeehäusern und gaststätten zusaufen. spätestens dann werde ich unhöflichkeit nicht mehr merken. die letzte noch gefühlte bastion fällt dann weg. und ich werde glücklich sein. spango, soda, gespritzter, würstel, beuschel, melange, torte, buchteln. auch wen sie es jetzt nicht glauben - ich werde wahr haben!

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