Donnerstag, 04.02.2010
21:28 » in nesseln leben
treue ist ja was schönes. und selten genug. kommt nur darauf an, wer oder was einen immerzu heimsucht. es gibt schließlich regelmäßige nachrichten, auf die man verzichten kann. weil die absender es nicht schnallen. und man ist mit recht irritiert, wenn sich der rhythmus nicht verlangsamt über die jahre. tja. das glück im guten ist halt die kacke im schlechten. oder so. mitunter kehrt auch etwas zurück, das man eh niemals wieder begrüßen wollte. das hier zum beispiel. inzwischen steht es für mich als symbol für notwendiges umdenken. so als letzte warnung. ich als kirschplunder, passt halt nicht. bin ja eher herzhaft als fruchtig. eher gut abgehangen als frisch. die urti - wie ich sie nenne - ist so etwas wie die vorletzte trompete. danach kommen die schwarzen reiter. denen kann man nur aus dem weg gehen, wenn man sich mal endlich aufmacht und etwas ändert. das piepsen in den ohren kann man wegknipsen. den konditionsverlust auch. auch die schlechte laune unter einem gesicht verbergen, das scheinbar unaufgeregte konzentration versprüht. aber das jucken in den kniekehlen und die pusteln in der leistengegend sind ein zusammenspiel aus kitzeliger folter und dermatologischer entstellung, das man nicht ignorieren kann. stets denke ich, dass ich allen passanten mal zeigen müsste, dass das da unterum zwar schlimm aussieht, aber keineswegs ansteckend ist. und natürlich bald wieder weg sein wird. seltsam. als ich in der reha war, habe ich tatsächlich allen meinen besuchern ungefragt mein halb rasiertes untenrum präsentiert. was zunächst viele mit einem stummen nicken registriert haben, um anschließend zu konferieren, welche hirnteile denn da abgestorben sein müssen. weil ich ansonsten ja eher schamhaft bin. so dass ich, wenn die urti kommt, nur denke, das muss ich allen zeigen. machen niemals. spango der pustel-exhibitionist, zeigt den kölner fußgängern, was seine leisten gemeinsam mit der urti zustande bringen. wunderbar mäandernde spango-fraktale. in sich zusammen fließende strukturen voller ästhetischer fragen, die sich vor einer antwort scheuen. die pusteln wandern von der leistengegend richtung kniekehlen. dann unter die achseln und machen eine kurze rast hinter den ohren, um am hals für ein bisschen farbe zu sorgen. der hautarzt ist etwas desinteressiert und hält mich für etwas hysterisch, da er glaubt, die urti würde von selbst verschwinden. verschreibt mir dann ein antihistamin, das angeblich weder müde macht und noch dazu fröhlich so hoch dosiert werden kann, wie ich es möchte. ich kann nur müde gähnen. trotzdem gold gegen den schweinearzt beim letzten mal. obwohl treue belohnt werden muss, werde ich der urti nicht lange ein heim bieten. die pustelfarbe passt nicht zu meinen augen und wassereinlagerungen sind was für alte menschen. werde mich also bemühen den jung-und-gesund-modus anzuwerfen. nach entspannung suchen, wenn sie mich sie finden lässt. der urti weiter mit gespannter aufmerksam zu leibe rücken, bis sie sich zurück zieht. ich kann penetrant sein. treue ist schließlich eine meiner besten eigenschaften. im guten wie im schlechten. vielleicht gibt es auch ein paar bilder, wenn die letzten pusteln wieder meine lippen anschmollen.

Kommentarfunktion deaktiviert.