Samstag, 09.01.2010
20:52 » tortenteilchenvariationen
früher war es ein graus, sich in eines jener cafes zu setzen, in denen man zu filterkaffee buttecremetorten verzehrte. zumindest in der stadt in der ich wo aufwachsen musste. und über die schon vor mehr als zwei jahrtausenden die welt lachte.
man wurde - falls man noch nicht die sechzig überschritten hatte - immer sehr patzig bedient. (wieso sind sie eigentlich so oft patzig? die kellner und rinnen? - zu mir kann man doch auch mal freundlich sein! - andere geschichte).
wie war das noch? geräusche, die aus angeregten gesprächen resultierten wurden ebenfalls nicht geduldet - wenn man unter sechzig war. laute geräusche der knirschenden gebisse, fiepstöne von hörgeräten, magengrummeln durch die kilos butter und unverständlich geschrienenes geriatrie-kisuaheli waren dagegen herzlich willkommen. damals waren eben die hinterbliebenenbezüge noch höher. da verfraß eine stattliche vierzentner-omma schon mal fünfzig mark witwenrente in form von frankfurter kranz und donauwellen.
ich bin im zarten alter von 17 sogar mal eines cafes verwiesen worden. wegen zu lautem lachen!!! und ich war wirklich sehr niedlich, damals.
heutzutage gehe ich wieder gerne in cafes, wo die zeit seit fünfzig jahren angehalten wurde. erstens kommt das meiner inneren rentenbefindlichkeit sehr nahe, zweitens sind in anderen, größeren städten auch gäste willkommen, die ohne rollator den eingang passieren und drittens/wichtigstens: ich finde es an diesen orten sehr entspannend. außerdem esse ich gerne lecker kuchen. DIESE SZENEKNEIPE kann ich sehr empfehlen. wenn sie mal vorbeischauen, lade ich sie auf ein kännchen kaffee ein - vielleicht mit einem klitzekleinen stückchen stachelbeer-baiser-torte.

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