bin so träge, dass mich die menschen in den bahnen nicht mehr stören. morgens stehe ich mit kaffee an der haltestelle und versuche mich weg zu denken. schaue bewusst durch alles lebendige und tote hindurch, damit ich den jeweiligen aggregatzustand nicht entschlüsseln muss. früher oft eine blöde angewohnheit, die sich irgendwie automatisiert hatte. interesse ist aber gleich null. selbst da wo es besteht, versuche ich es zu unterdrücken. schließlich weiß ich gerade um meine unerträglichen launen und unangemessenen anmerkungen. da rutschen dinge durch den schädel, die früher als letzter bodensatz schlummerten. so als letzte waffe gegen verletzungen. nun bin ich zwar der meinung, dass die meisten herausforderungen, denen man sich stellt, mit gewissen blessuren einher gehen. dass die ganzen kratzer und blauen flecke im grunde geradezu eine schmucke patina bilden. bis zu einem gewissen grad. momentan kann ich mich nicht entscheiden, ob ich selber weiß, welche hürden und hürdchen ich annehmen kann. niederlagen bin ich zwar gewohnt - bilde mir aber manchmal ein, dass zuviel korrosion dann doch den letzten glanz für immer zersetzt. kann auch eine falsche einschätzung sein. müdigkeit? phobie? affektive hemmung? vielleicht auch falscher stolz? oder alles? ist ja auch alles eh vorhanden. aber vielleicht bringt mich auch die jahreszeit dazu, mich unter einer schneedecke zu verstecken, damit mir niemand eine karotte ins gesicht rammt. so lange es mich nicht davon abhält, manchmal einen schneeball mit eisstücken und geheimen nachrichten zu schmeißen mache ich mir keine sorgen und warte ab, bis die energie zurückkehrt und ich nicht mehr vor allem die augen verschließe.
