Am Forum Romanum ist irgendeine Villa von irgendeinem Imperator, deren Dach als Café benutzt wird. Vor acht Jahren konnte man da wunderbar einen Kaffee für acht Euro trinken und kriegte was fürs Geld geboten. Denn man hat eine wunderbare Sicht auf die laute Stadt, die einen immerzu an brüllt. Die Motorinos brüllen, die Menschen brüllen, die Vögel brüllen und selbst die Straßen ächzen unter der Kakophonie dieser Großstadt.
Aber hier oben nahm ich das alles nur als Echo von Leben war. Da steckte man nicht mittendrin, sondern war Beobachter. Da ich immer mitten drin stecken muss, gefiel es mir seinerzeit sehr gut, einen Platz gefunden zu haben, von dem man als Beobachter agieren konnte. Spango immer lieber Zeuge als Handelnder. Das Café gibt es noch, aber – wohl aus ökonomischen Erwägungen – hat man das Café überdacht. Komplett mit Plexiglas ummantelt. Jetzt kann man da nicht mehr rauchen. Bankrotterklärung für Spango, der sich hier schon voller Vorfreude stundenlang beobachten sah. So sind sie eben, die Faschisten. Nun ja, trotzdem habe ich den Blick genossen. Man sieht direkt auf einen riesiges Gebäude. Über mehrere Etagen wunderbar ineinander verbaut, voller prächtiger Balkonpflanzen. Wunderschön, wohl eines der imposantesten Wohnhäuser der Stadt. Allein wegen der Ausmaße. Und was muss ich erfahren? Da wohnt die olle Sophia Loren. Macht also immer noch auf Mutti, die nicht altern will. Vor etwa zehn Jahren hat der C. – seines Zeichens großer Loren-Fan, ein Gericht aus einem ihrer Kochbücher hergestellt. Ein wirklich sehr leckeres Wildgulasch. Da habe ich damals schon behauptet, dass die Olle niemals selber ihre Rezepte kostet. Weil gerade die natürlich jung Gebliebenen am meisten dafür tun, indem sie sich das Dekolleté prophylaktisch jährlich liften und alles unter die Epidermis spritzen lassen, was ihre Mimik entstellt. Und jetzt lässt sie riesige Geranienbüsche auf ihren Balkonen pflanzen, die jeden Oleanderwald in den Schatten stellen und besetzt Wohnraum, auf den Spango sehr neidisch ist. Trotzdem ist es hier gut, denn der Kaffee ist gut, die Sonne scheint und mich kann hier ruhig alles und jeder anschreien, weil ich die ja eh nicht kenne. Außerdem bin ich hier in Relation so leise. Und so sehe ich mich viel lieber. Der besonnene, beobachtende Spango, der Sophia Loren zu einer fettigen Pasta einlädt…
