sitze hier in rom rum und mache nix. gewollt und gut. vorgestern hat meine herzliche gastgeberin mit mir in nostalgie schwelgen wollen und ich musste mir ansehen, was die letzten 19 jahre aus mir gemacht haben. schon toll, wenn man sich fast zwanzig jahre kennt und zusammen gründlich gereift und trotzdem so ratlos ist wie früher. wobei man früher zumindest arrogant genug war, zu hoffen, dass man später alles ganz simpel wuppt. nun werden sie sagen: mensch, der spango mit seinem altersstarrsinn und seiner nichtakzeptanz gegenüber der vergänglichkeit.
stimmt natürlich nicht. obwohl ich einsehe, seinerzeit weitaus schmackhafter ausgesehen zu haben, ist es mir doch seit inzwischen sechs jahren herzlich wurscht, wie die zeit meine zellen bearbeitet. denn grundsätzlich müssen die erst einmal halbwegs funktionieren, der rest ergibt sich. so gesehen, konnten auch die charmant gemeinten, doch oberflächlich irritierenden jubelbekundungen, die frau dr. b. angesichts des anblicks des jugendspango nicht zurückhielt, meine laune nicht verhageln. "guck mal wie braun du da bist! guck mal deine arme, guck mal dein bauch!".
das braun ist fott, aber ich habe die körperteile/regionen immer noch dabei und sie verrichten ihren dienst altersgemäß. allein mein gesicht hat sich komplett verändert. bei uns beiden ist die stürmische unbeschwertheit einer etwas irritierten weltsicht gewichen, die sich mimisch geschickt in einer mischung aus abgeklärtheit und optisch ersichtlichen kampfesspuren manifestiert. natürlich fällt diese maske schnell.
immer noch gucke ich hohl aus der wäsche und nehme jede hand, die mich in einen dunklen wald führen will. zumindest nach zu viel rotwein oder übersprudelnder sympathie. die empfinde ich heutzutage zwar sehr selten, aber es kommt vor. ich kann sie auch besser hinter meinen lustigen fältchen verbergen. schließlich sind wir dann zufrieden ins bett gegangen, nachdem wir die jahre 1991-2001 haben revue passieren lassen. frau dr. b. war zufrieden, weil sie gerne in der vergangenheit schwelgt, spango war zufrieden, weil sich nicht die erwarteten frustrationen eingestellt haben, die ich befürchtete, weil ich gerade etwas instabil bin. und wir beide waren zufrieden, weil wir - unabhängig von unserem aussehen, seit fast zwei jahrzehnten freunde sind und unsere falten gegenseitig ereignissen zuordnen können.
