Oft rege ich mich auf, weil die Serviceleistungen so mangelhaft sind. Fast überall.
Dann rege ich mich – in halbwegs bewussten Momenten – wieder ab, weil ich mir immer vorstelle, wie ich selber diese mies bezahlten Scheißjobs ausfüllen würde.
Da ich in letzter Zeit nur sehr selten bei Bewusstsein bin, habe ich in derselben viel geschimpft, verflucht und verteufelt.
Gestern dürfte ich der 80 Mio $ teuren Tintenherz-Verfilmung lauschen. Und ich war schwer beeindruckt, wie schlecht der Film ist. Mir war langweilig und ich begann, mich in alles reinzusteigern, was an Schlechtem geliefert wurde. Das führt dazu, dass ich jede Einstellung doof finde, jeden Gesichtsausdruck, jeden Note der Filmmusik und jede gezeigte Kulisse.
Um dem zu entgehen, wollte ich eine Zigarette rauchen. Da fiel mir ein, dass ich die letzte bereits vor dem Kinopalast verdampft hatte. Ich hatte weder Kleingeld, eine altersautorisierende Geldkarte, noch eine Ahnung dabei, an welchem Ort ich, in dem Nichtraucherlichtspielhaus, rauchen konnte. Erinnerte mich kurz an die leeren Gesichter an der Fressenausgabe, ließ die Szenen beim Kartenkauf Revue passieren. Und wartete. Die Verzweiflung steigerte sich aber. Wie bessessen musste ich mit ansehen, wie Gollum nicht in der Lage war, den Gollum abzustreifen. Wie Brendan Fraser dicker und dünner wurde, weil so viel nachgedreht worden war. Wie der Filmkomponist Howard Shore und John Williams zusammenschmeißen und kopieren sollte, dabei aber nur Rosamunde Pilcher hervorbrachte. Wie Helen Mirren und Jim Broadbent von der Regie zu Knallchargen gemacht wurden. Wie die schlechten Perücken und Masken der literarischen Figuren mich an eine Karnevalsparty in Bottrop erinnerten.
Ich musste also versuchen, eine Pause zu ergattern, Servicewüste hin, Resignation her.
Schlich nach draußen, fand direkt einen jungen Mann, der Popcorn aufsaugte und der mir seine Geldkarte lieh und mit den Aufenthaltsort des nächsten Zigarettenautomaten verriet. Nur das Münzgeld fehlte noch. Aus zehn Meter Entfernung bot sich ein Kellner an, den Schein zu wechseln. Ehrlich gesagt, dachte ich, jemand verarscht mich. Denn beide haben auch noch gelächelt. Vielleicht vermuteten sie in mir auch einen Tester, der alles schön unter die Lupe nimmt. Vielleicht waren sie auch nur zwei nette Menschen.
Zumindest war das der Höhepunkt dieses Kinoabends. Der Kellner führte mich noch zu einem Raucherhof, so dass ich nach einer kurzen Entspannung, dank Zigarette, den Rest des Machwerks von Iain-stupidity-Softley bis zum bitteren Ende anschauen konnte.
