hallo, der text ist alt und nicht fertig, hat er und das thema aber auch nicht verdient.
Ja, ich gebe es zu: ich mag die Serie Akte X sehr gerne, so gerne, dass ich mich mal wieder ins Kino begeben wollte. Eingepfercht zwischen Nachos essendem Gelumpe, das immer so laut ist.
Aber auch hier regiert die Lüge. Behauptete doch der Mensch (Hybrid?), der Film wäre gerissen und aus diesem Grund gebe es keine Vorstellung.
Der Verdacht der Unwahrheit liegt nahe, und dazu benötigt man keine besondere Fortbildung in internationaler Verschwörungstheorie. Wahrscheinlicher ist die Annahme, dass außer Herrn R. und mir niemand dem zweiten Kinoausflug der Serie mehr lauschen wollte.
Dann guckt man es sich eben im Kleinen an. Was soll man machen, ist man doch auch nur Mensch (Hybrid?)?
Eigentlich bin ich zu müde, um mich aufzuregen. Aber dieses Machwerk ist schon eine ziemliche Unverschämtheit. Was ist da nur passiert? Schon der Titel so dummbatzig, dass man hoffen musste, er wäre ironisch gemeint. Nein – keineswegs! Alles ist Ernst, alles ist einfallslos und alles ist seltsam puritanisch-konservativ.
Ich werde die peinlichsten Details rauslassen, es ist mir scheißegal, wenn ich hier den Anfang, das Ende und den restlichen Dünnpfiff ohne Rücksicht auf zukünftige Seher einfach ausplaudere. Die Schockmomente und Plot-Twists fallen sehr viel spärlicher aus als in einer Folge Praxis Bülowbogen. Und da sind die Nahaufnahmen von Anita Kupsch noch nicht mal mitgezählt.
Der murmelnde Agent hat sich in die Einöde im Irgendwo begeben und den Kontakt zu den Verschwörern dieses Mal nachhaltig abgebrochen. Aber er glaubt natürlich noch. So ist das in Amerika, ein dutzend Male ans Kreuz genagelt worden – ungerettet – und bei der nächsten Reinkarnation erneut auf Hilfe von oben hoffen, anstatt einmal etwas Anständiges zu machen. Derweil hat der rot behaarte Zweifel einen Job in einem christlich geführten Krankenhaus angetreten. Dort versucht sie todkranke Kinder zu heilen, doch sie sterben ihr unter der Hand weg.
Die Filmemacher legen die weibliche Hauptrolle eher als jammerndes Ärmchen des einsam Glaubenden an. Denn die Figur Scully wurde für ihren zweiten Kinoauftrittauftritt auf ein eiskaltes Händchen reduziert, das hilflos winkt und natürlich biegt keiner biegt in die von ihr vor gegebene Richtung ab.
Nach Jahren der Ruhe bricht nun wieder das FBI in den Alltag der Heldin. Sie bekommt Besuch von der nächsten Generation des FBI, die sich kaum verändert hat. Außer, dass Kameradschaft wieder groß geschrieben wird. Aus diesem Grunde sind die letzten Jahrzehnte der Auseinandersetzungen um Weltverschwörungen, Massenmorden und breit angelegte Vertuschungen flugs vergessen. Denn eine Agentin wird vermisst. Und wer kann sie finden? Natürlich der Glaubende. Wurden früher ganze Armadas geopfert – für die gute und die schlechte Sache – ist hier nur eine einzelne Dame der Grund, warum die tragende Storyline des Formats einfach über Wasser geworfen wird.
Im Einsatz vermisst – dieser jähe Ausspruch der Autoren ist sicher der Unzufriedenheit über einen Kriegsverlauf geschuldet, der wöchentlich neue Särge in die Heimat exportiert.
Während also Scully kühl auf die Muldi-Nachfrage durch die patriotischen Gefährten reagiert, spricht sie ihn einfach später an. Der müde gewordene Glaubende sitzt immer noch unter demselben Poster und hat sich einen Vollbart wachsen lassen. Und zwar zu Hause, den er wohnt mit der Scully zusammen. Sitzt in einer Kemenate und wartet wohl auf den rettenden Einfall, wie er eine für ihn passende Rasierschaummarke finden kann.
Und gut versteckt sind sie – irgendwo draußen vor dem Tore haben sich die beiden ihr Liebesnest eingerichtet. Scully geht schön ins Krankenhaus während Muldi sich die Zeit mit Nichts vertreibt.
Es wird niemanden wundern, dass nach so vielen Jahren des Rückzugs das langweilige Angebot einer Agentenbefreiung des Erzfeindes natürlich alles neu macht. Früher wurden Vater, Mutter und Schwester abgemurkst, damit Scully und Muldi mal die Schnauze halten, aber jetzt nimmt man den Auftrag gerne an.
Endlich mal an die frische Luft. Es liegt Schnee, der Atem wölkt aus den leeren Schädeln – allein das sieht doch schon toll aus, auf der Leinwand.
Und nun kommen wir zum Übersinnlichen. Da muss man aufpassen, dass man sich nicht in Klischees verheddert, oder ins Peinliche abrutscht.
Was liegt näher, als die Geschichte weiter ins Religiöse abdriften zu lassen. Ist es nicht Kirche, in der das Blut regiert? Wo Heilige plötzlich auf Muffins erscheinen und das Geschäft mit Fast-Food wieder ankurbeln. Genau: das ist Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Die beiden Agenten beginnen mit ihrem neuen Auftrag. Und die erhalten Hilfe: ein wegen Kindesmissbrauch verurteilter, ehemaliger Priester hat Visionen. Er weiß, wo man Spuren, Opfer und Hinweise findet. Alle liegen in winterlichen Landschaften verbuddelt. Und hier ist es auch Zeit für aufwendige Spezialeffekte. Denn natürlich hat der Mann Schuld auf sich geladen, also Kinder gefickt und dergleichen. Diesen auserwählten Menschen werden ja von Gott immer Gaben geschenkt. Als Sühne. Nun müssen sie helfen. Dem Mann bluten immer die Augen, wenn die Wahrheit näher kommt. Und so pirscht er sich, zusammen mit dem inzwischen rasierten Mulder und der unglaublich Zweifelnden Scully, immer näher an die Lösung des Falls. Weil, da macht dann das Drehbuch Sinn, die Scully um das Überleben von todkranken Kindern kämpft, macht es ihr natürlich zu schaffen, dass so ein schlimmer Pädophiler von Gott geschickt worden sein soll, um den Fall zu lösen.
Dann passiert lange nichts, oder ich habe es vergessen. Am Ende stehen die Bösen fest: ein homosexuelles Paar, das mit Stammzellen fiese Menschenexperimente vornimmt. Gestörte halt, dazu macht im Gegensatz der geläuterte Pfaffe eine gute Figur, denn er bereut.
Ich habe diese eineinhalb Stunden auch bereut und kann es kaum glauben, wie lächerlich schlecht dieser Film ist. Wie bemüht brav und hanebüchen bescheuert.

(editiert: 15.12.08 - 23:43)
(editiert: 20.12.08 - 19:16)