Samstag, 27.09.2008
11:59 » MIT GITTE IN DIE APOKALYPSE
Wenn es nach mir ginge, hätte ich momentan gerne weniger mit mir zu tun. Je erschöpfter, desto lauter. In etwa so gebiert sich Spango. Ein allerletztes Aufbäumen. Ich hätte nur nicht geahnt, dass dieses Ereignis bereits so ersichtlich ist.
Jemand muss diese Energie ja abbekommen. Zum einen die Kollegen, aber das ist ja schließlich Teil des Arbeitsprofils: Spango ertragen und verehren. Wo kämen wir denn sonst hin?!
Und natürlich das nahe Umfeld, das mein lieber S. nun oftmals alleine stellen muss. Letzte Woche habe ich mit einem guten Freund telefoniert, den ich lange nicht mehr gesprochen, geschweige denn gesehen habe. Wir haben festgestellt, dass früher zwar nicht alles besser war, die Nähe der Wohnorte aber doch eine Erleichterung darstellten. Vor allem, weil wir bei unseren Treffen der Restwelt immer etwas Hass da gelassen haben. Das war noch eine gescheite Verarbeitung: Alles beschimpfen und das Böse beim Namen rufen. So wird man die ganze schwarze Materie los, die sich in einem Tag für Tag festsetzt. Nach zwei Stunden Kneipengespräch hatte man vieles durch gesprochen, was so an einem zerrt – im Konkreten wie im Allgemeinen.
Diese Gespräche werden zeitbedingt seltener und früher konnte man sie thematisch ganz gut auf mehrere Personen verteilen. Heute kann ich schließlich nicht dem Schaffner erklären, wie bescheuert ich den Außenminister finde und warum – ich kann nicht die noch brennende Wut gegenüber bestimmten Menschen ständig rausbrüllen oder mir gar die betreffenden selber vornehmen. Im Grunde bin ich ja ein scheuer, friedfertiger Mensch, der nur oft schnell laut wird.
Man muss also andere Wege finden, um fröhlich die Dämonen zurückzuschlagen, dazu bieten sich natürlich andere Dämonen an, in die man schlüpft und die man benutzt. So sang ich. Ich habe für meinen S. im Auto gesungen. Zuerst Milvas "Hurra, wir leben noch". Weil es oberflächlich auch vom Text so schön passt und es eine hymnische Lüge darstellt, die von der ewig roten Barsängerin im zu engen Gewand geschmettert wird. Aber es sind ja gerade die Dämonen, die man als solche nicht so schnell erkennt, die die Mächte der Hölle in der Hand haben. Und da kann es nur einen geben: die Gitte! Die war also dran und wenn man eine ihrer Weltzerstörungsformeln wählt, dann natürlich „Ich will alles“. Gerade bei dänischen Dämonen ist bei aller optischen Tarnung kein subtiles Verhalten vorhanden. Man muss eben nur das Gegenteil des Gesagten als Wahrheit annehmen. Gerade die Textzeile: „ich will leben, will mich geben, so wie ich bin“ kann als Morddrohung verstanden werden.
Zumindest gab ich auch alles und sang „Ich will alles“, wobei mich die gerade genannte Zeile dazu veranlasste, zu fordern, dass es Zeit für mich wäre, mal wieder den authentischen Spango im Alltag rauszulassen.
Darauf mein S. : „Oh Gott, Spango außer Rand und Band – das wäre die Loslösung der Chaostheorie – der berühmte Flügelschlag des Schmetterlings…“
Und bei allem Schrecken, der mich aufgrund der messerscharfen Beobachtung durchzuckte, ist das wohl eine ganz gute Einschätzung. Momentan . Denn da ist dieser zerrende Unmut, der in mir brodelt. Außerdem ist die Vorhersage eine nette Wertschätzung, trägt sie doch die Bereitschaft inne, mich als Partner mit kleinen apokalyptischen Ausfälle zu ertragen, um die gemeinsame Welt zu retten.

1 Kommentar

  1. fab am 29.09.08 - 10:08
    (editiert: 29.09.08 - 12:08)

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