Dienstag, 05.08.2008
10:18 » Fataler Ablasshandel
Ich zahle ja einen Großteil meines Einkommens unmittelbar an die Deutsche Bahn. Dada hat mich seit jeher ziemlich angetörnt. Und mitunter passen wir schon zusammen. Die bunte Truppe aus gutgelaunten Servicemitarbeitern, schwarzen Sheriffs, Ordnern, scheintoten Beamten und unterbezahlten Lokführern, die ja die Verantwortung für Hundertschaften von Leben besitzen, und wohl aus diesem Grund, also stressbedingt, der Körperhygiene abgeschworen haben und eher auf eine Thermosflasche Kaffee mit Schuss setzen, um ihre Ziele zu erreichen. Lebensqualitätvernichter, das sind sie alle da. Auf der anderen Seite ein Spango, der die Welt nicht versteht und sich auch gar keine Mühe mehr gibt, die einzelnen Komponenten zu entschlüsseln. So bewegt er sich also in einer Wolke aus lebenserhaltender Ignoranz und tappt nicht ganz unfreiwillig im Dunkeln. So vergisst er mitunter, dass er die Augen auf machen muss, damit er sich soweit mit der bunten Truppe einigt, damit er nicht vom Dunkeltreter zum Schwarzfahrer wird. Also zieht er brav Tickets – Ablässe Richtung Fegefeuer. Und weil Spango von Zeit zu Zeit versucht, endlich ein wenig sortierter zu werden, ist er naiv genug, um sich zu überfordern. So hat er letzte Woche bereits den neuen Monatsablass am Automaten gezogen. Vorbereitung ist alles – dachte er sich – um von der bunten Truppe nicht aufs Doppelkorn genommen zu werden. Gestern fiel ihm dann ein, dass er noch seine Sträflingsnummer eintragen muss, damit der Ablass ohne wenn und aber gültig wird. Da hat er sich schon gewundert, dass auf dem Ablass der Monat Juli verzeichnet ist. Diesen Ablass hatte er bereits erworben und sich munter durch das Fegefeuer in diesem Zeitraum bewegt. Und sicher war er sich, dass er wieder einen falschen Knopf gedrückt hatte, weil er sich nie ganz aus seiner Wolke traut. Trotzdem sagte ihm Herr R., Spango sollte seinen Charme spielen lassen, damit die bunten Truppenverbände an den Toren der Hölle den Ablass für nichtig erklären und auf den aktuellen Monat umschreiben. Spangos Charme ist eh immer für ein paar Lacher gut – ganz besonders an einem Morgen, der den ersten Arbeitstag nach einer Woche Urlaub einläutet. Aber nun kommt es ganz dick – die bunte Truppe hat einen Fehler gemacht, Spango es nur nicht geblickt. Er gab nämlich wieder eine Tarifumstellung, also Erhöhung und die Automaten konnten diese nicht verarbeiten. Wenn schon die Maschinen sich weigern, ihren satanischen Meistern zu gehorchen, sagt das ne Menge aus. Außerdem, so die Pförtnerin an der Pforte, hätte die bunte Truppe überall Aushänge dazu gemacht. Deutete auf eine Wand und tatsächlich: auf der Sichthöhe eines Jagdteckels befand sich eine schwarz-weißes DIN A4 Blättchen, das murrend Auskunft gab. Soso – das ist der Beweis, die bunte Truppe und der dunkle Spango sonnen sich ab und an auch in wonniger Harmonie…

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