Sonntag, 03.08.2008
16:38 » Team Building mit Spango 4 - Von Kühen und anderen Viechereien
Nachdem viele Büsche und Themen gestriffen worden waren, kam die Zeit für eine erste Rast. Kurz zuvor kam es noch zu Enterversuchen. Und die gingen natürlich von unserem Boot aus. Zum einen, weil der Herr Ing. seit längerer Zeit einen Hang zur Seefahrt und feindlichen Übergriffen hat, zum anderen, weil es doch etwas langweilig war, durch dieses seichte Gewässer zu treiben, das immer mehr einer müden Pfütze glich.


nasse rindviecher

Und die Gegner mussten ausreichend Humor und Zähigkeit besitzen – nichts ist schlimmer als Menschen, die sich nicht wehren und nicht über sich lachen können. Da blieb nur das Boot der Weisheit und Erfahrung. An Frau Ro. und Herrn S. kann man sich noch abarbeiten. Die sind zäh und geben nicht auf. Dabei sticht vor allem Frau Ro. heraus – sie ist der schwarze Ritter der Truppe – kämpft auch ohne Gliedmaßen und Aussicht auf eine Trophäe. Sowieso zählt bei Herrn S. auch nur die Ehre. Da besteht eine sehr große Kongruenz zwischen dem Büro-Herrn S. und seiner Survival-Ausgabe. Wenn ihm beispielsweise ein einsamer Buchstabe in einem Ozean von Sätzen nicht passt, merzt er ihn aus – ohne Verluste und ohne Rücksicht auf das Gesamte. Das ist natürlich im Konkreten immer mehr als angebracht, im Allgemeinen schießt es über das Ziel ganz selten hinaus, da die Wirklichkeit Verluste im Einzelnen eben mit sich bringt, damit das Gesammte über die Bühne gehen kann.
Und nun stellen Sie sich vor: ein Angriff von Boot der imperialen Link-Rechts-Schwäche und spangonischen Irreführung auf die Galeere ohne Schmerzempfinden und verbissener Ehrerhaltung. Insgesamt geschickt, weil überraschend hatten wir uns von hinten rechts herangepaddelt und sie gerammt. Während bei Herrn S. zunächst blanke Empörung als Folge dieser Unverschämtheit aufblitzte war Frau Ro. direkt zum Kampf bereit. Sie krallte sich an unserem Bötchen fest und würde nicht loslassen, bis die Welt in Schutt und Asche läge. In Herrn S. war aber auch sehr schnell sein Bedürfnis zur Verteidigung der Ehre geweckt und – jetzt halten Sie sich fest – er holte mit seinem Paddel aus… ob das nun geschah, um uns wegzuschubsen oder eventuell auch mit einem gezielten Schlag auszuschalten vermag ich nicht zu bewerten. Wegschubsen war allerdings unmöglich, denn Frau Ro. hatte ihre Finger gleich eisernen Enterhaken in unseren Bootsrumpf versenkt, so dass sich hier Ehrerhaltung und Vernichtung des Gegners schnell in ein Gewaltszenario hätte entwickeln können.
Da auf einem solchem Ausflug nur die Grenzen ausgelotet und nicht überschritten werden sollten, stoppten wir den Angriff. Natürlich nur, um ihn alle halbe Stunde zu wiederholen. Immer wieder traf man auf den gleichen Widerstand, so dass der schwarze Ritter und der Verteidiger der Ehre im Kleinen und Großen niemals zu überwältigen sein würde – es sei denn, man wollte sein Leben aufs Spiel setzen. Es ging aber nur ums Spielen – und als schlimmste anzunehmende Konsequenzen dieser Reise wurden von mir Kratzer (Gegner Uferbewuchs) und nasse Gliedmaßen (Gegner die Pfütze zu unseren Füßen) akzeptiert.
An einer besonders schönen heimeligen Uferböschung legten wir an und ließen uns zu einem Stärkungsmahl nieder. Gehaltvolle Nahrungsmittel für die ungewöhnliche körperliche Betätigung wurden herumgereicht und freudig verschlungen. Natürlich war es auch längst Zeit, dass man sich den Tag und die Kollegen schön trinkt. Zwei Flaschen Rotwein beruhigten die Gruppe und stellten sicher, dass keiner auf den anderen losgehen würde. Wenn es nach mir ginge, würde man eh einfach einen Ausflug in einen geschützten Raum, genannt Kneipe, machen. Das reicht völlig. Man kann den Ort verlassen, sich zudröhnen mit was man will und auf der Toilette die Kacheln beschimpfen, wenn man die Faxen dicke hat. So besteht immer Harmonie – ein fröhlich-falsches Miteinander, das für mich absolut ausreicht.
Doch draußen in der Natur mit den ganzen großen Tauben, den wuchernden Pflanzen und unvorhersehbaren Ereignissen – da ist guter Rat teuer, wenn einen die Gefühle übermannen würden. Gut, dass für Emotionen kein Platz war – da war die Konzentration auf den Flusslauf und das zu erreichende Ziel, dem die dicker werdenden Oberarme immer sehnsüchtiger entgegenarbeitenden.
Die sehr, sehr große Taube hatte die Verfolgung noch immer nicht aufgegeben. Sie konnte ja auch im Grunde auf einem Bein hoppelnd mithalten und schaute gehässig auf ihre Beute, die sich der Natur ergeben hatte, um zurück in die Zivilisation zu gelangen.
Man kann immer etwas lernen, selbst wenn man abgelenkt ist durch körperliche Betätigung. Hinter einer der nicht enden wollenden Biegungen standen am Ufer etwa zwanzig Kühe. Leicht verängstigt schauten sie drein – Furcht vor der Flut, die sich vor ihnen ausbreitete. Die Gruppe paddelte gerade so an der sich bald auftuenden Grenze vorbei. Nach einigem Gemuhe setzte sich nämlich das erste Rindvieh in Gang – blökte laut – gab also Befehle. Die anfangs aufgrund des Wassers affektiv gehemmte Truppe folgte ihr. Langsam, trampelnd und laut muhend. Ich hatte ganz vergessen wie groß diese Tiere sind. Und wie laut sie muhen. Der Aberglaube, dass sie nicht schwimmen können, weil sie ihren Schließmuskel nicht angemessen steuern können und deswegen mit Wasser voll laufen würden, dem auch ich auf den Leim gegangen war, konnte nun versenkt werden.
So viel Natur in so kurzer Zeit – zurück geworfen auf seine beschränkten körperlichen Fähigkeiten und eine Gruppe. Da musste selbst ich meine affektive Hemmung kurz beiseite legen. Und wenn Kühe einen reißenden Strom durchqueren, muss auch ich in der Lage sein, Befehle anzunehmen – egal wie falsch sie erscheinen mögen.
Aber was, wenn der Alkohol seine Wirkung verlieren würde bevor für Nachschub gesorgt werden kann? Was führte die sehr, sehr große Taube im Schilde? Wer würde übrig bleiben, nachdem die Sonne am Firmament abhandengekommen sein wird?

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