Donnerstag, 31.07.2008
14:29 » Team Building mit Spango 3 - Aufbruch ins Ungewisse
Wenn man sich in ein Abenteuer stürzt, muss man sich stets der Gefahren bewusst sein. Wenn man, wie ich, einen Körper besitzt, der schon mehrfach den Geist aufgegeben hat, ist man nicht mehr so ungestüm und stürmt nach vorne, wo Engel furchtsam weichen.
Allerdings war eines der Boote voll von ungestümer Lebensfreude und explosiver Energie. Der Migrationshintergrund und Frau H. bildeten ein Team, das neben großartigem Aussehen weitere Eigenschaften mitbrachte, die im Rennen des Lebens von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit sind: unglaubliche Sturheit gepaart mit dem Durchhaltewillen einer islamistischen Panzerbrigade beim Sturm auf den Tempelberg. Demnach schoss das Schiff auch direkt nach dem Wasserlassen an die Spitze und zog im Takt eines Dampfschiffes allen davon. Vor allem in Frau H. brodelt ein kleiner Vulkan – genährt von ihrem Glauben an den Triumph ihres Willens. Es gibt klare Gründe, warum ich sie nicht mit H.J. abgekürzt habe. Der Migrationshintergrund ist da nicht so klar strukturiert. Aber Energie hat sie auch in Massen, so dass sie schon aus freundschaftlicher Anteilnahme Frau H. beim Wunsch nach Führung zur Seite stand.
Auf dieser Etappe konnte ich nicht viel beobachten, denn wir hatten uns zurückfallen lassen. Erstens muss ich niemandem mehr etwas beweisen. Das allmorgendliche Aufstehen ist für mich Beweis genug, dass noch was geht. Außerdem fehlt auch dem Herrn Ing. ein gewisser sportlicher Ehrgeiz. Mit einer Fließgeschwindigkeit, gegen die jeder Rollator Siege hätte einheimsen können, schlichen wir der Gruppe hinterher. Und die Steuerung, die qua Hierarchie und Position eindeutig in der Hand des Herrn Ing. lag, funktionierte selbst bei niedrigsten Geschwindigkeiten eher knapp ausreichend. Wie im richtigen Leben, so war es auch hier: ich kann mich nicht mit anderen synchronisieren. Noch schlimmer: der Herr Ing. erst recht nicht. Und minus und minus macht eben nicht plus – nicht auf einer Survivaltour und überhaupt auch sonst nicht! Zwei ältere Herren, die eher zu beschwichtigendem Autismus neigen, dazu seit geraumer Zeit dem Leistungssport abgeschworen haben, die müssen sich schon bemühen nicht vom Weg abzukommen und in einem der Nebenarme des Flusses zu verenden. Der Herr Ing. gab verwirrte, aber sehr selbstsichere Befehle, wobei es mich schon erstaunte, dass die Begriffe links und rechts in seinem Universum nicht viel bedeuteten, weil er sie abwechselnd bedeutungsidentisch benutzte.
Und nun das Glück mit dem Chefe in einem Boot sitzen zu müssen. Die Restgruppe wartete irgendwann hinter der nächsten Biegung. Obwohl es keinen sehr ausgeprägten Hang zu Schleimereien und Anbiederungsgesten in der Abteilung gibt, wissen alle letztendlich, dass irgendjemand abends im Biergarten zahlen werden muss.
An dieser Stelle will ich schon verraten, dass im Büro natürlich geschleimt, gestemmt, strategiert, spioniert, angeschwärzt und übervorteilt wird. Aber wer bin ich, dass ich mir dazu ein Urteil erlauben könnte! Und eine Einschätzung meinerseits an dieser Stelle, wohlmeinend, würde doch eher sinnlos und viel zu upregent sein.
Die Gruppe wartete. Kurz zuvor hatte eine sehr, sehr große Taube unsere Verfolgung aufgenommen. Wir hatten sie als Graureiher bezeichnet. Aber was bedeuten schon schnöde Begriffe? Wir freuten uns, sie Frau Ro. zu präsentieren. Allein die Idee, dass ein paar Hundertschaften dieser Taubenart den Platz vor dem Kölner Dom besetzen würden, machte mir gute Laune.
Das Boot des eleganten Ehrgeizes wirkte immer noch kraftvoll, wenn auch etwas aus der Puste. Rosig waren die Wängelein, der Atem hatte noch immer die Taktung eines Dampfschiffs, die Paddel nicht. Und die Bizepse von Frau H. waren sicher noch beeindruckende als werktags. Getraut zu gucken habe ich mich nicht, weil mir meine Bizepse vor einiger Zeit flöten gegangen sind.
Nun paddelte das Team – ganz gefangen im Building-Gedanken – eine Weile zusammen das Rinnsal genannt Sieg herunter. Das Boot der Weisheit hielt sich erstaunlich gut. Denn das Team wirkt halbiert sehr chaotisch – im Zusammenspiel löste sich das auf. Wie an guten Tagen im Büroalltag, wenn das Manische auf das Dyphorische trifft und der schnellen Lösung Platz macht. Von außen betrachtet sah es zwar immer etwas wahnhaft aus, wenn von Frau Ro. und Herrn S. das Ufer scheinbar gezielt angepaddelt wurde, erst im letzten Moment das Ruder rumgerissen wurde und mit lauten verbalen Beifall wieder die Flussmitte heimgesucht wurde, aber es funktionierte.
Ganz anders in unserem Boot, in dem der Herr Ing. weiter seine links-rechts-Schwäche auslebte und den schwarzen Peter dem ohnmächtigen Spango weitergab. Transportiert über die redundant benutzte unverschämte Behauptung: Spango hat nur Pudding in den Armen. Erstens Projektion, zweitens in der ganzen Gruppe stark verbreitet. So rasten wir in viele Büsche und Geäste, die in den Fluss rankten. Und wieder das Perfide: Spango bekam alles ab, weil er vorne saß, während der Herr Ing. hinten fortfuhr sein Weltenmodell heiter zu erklären.
Die sehr sehr große Taube folgte uns inzwischen. Sind Graureiher Aasfresser? Erkennen sie eine Beute, wenn sie sinnlos um ihr Leben paddelt?

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