Mittwoch, 30.07.2008
14:02 » Team-Building mit Spango 2 - Am wilden Fluss
Schließlich waren sie alle beisammen. Alle standen upgeregt auf dem Gleis und konnten es kaum erwarten, in den Zug einzusteigen. In solchen Momenten werde ich immer so nostalgisch – schließlich war Spango mit einem Teil der Gruppe schon einmal auf großer Fahrt – in Feindesland – im Land der Bayern.
In deren Hauptstadt, die eh oarsch ist. Auch hier wurde offenkundig, dass viele der Abteilung es versäumt hatten, in ihrer Kindheit hochdosierte Beruhigungsmittel einzunehmen.
Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern. Wenn Kinder in einem Aufzug fahren, stehen sie schon in den Startlöchern, um aus dem kleinen Raum in die nächste überraschende Sphäre zu gelangen. Sie rennen aus dem Lift in die Freiheit. Abenteurer und Entdecker, die sie sind. Erwachsene bleiben bräsig stehen, glauben eh alles schon gesehen zu haben, waren vielleicht schon mehrfach im Fernurlaub. Was als Kind noch sympathisch ist, sogar grundlegend das ausmacht, was den Menschen ausmachen sollte, verkehrt sich bei manchen Erwachsenen etwas ins Gegenteil.
Nach zwei anstrengenden Tagen Aufenthalt in München, die mich persönlich sehr geschlaucht haben, weil ich Probleme habe, über einen längeren Zeitraum mit einer Gruppe die Zeit tot zu schlagen, wurde der Flughafen erreicht. Wir saßen direkt in der Nähe des Einlasses. Hatten den Check-In hinter uns und nahmen ein paar Getränke ein. Dann die Durchsage, dass sich die Besteigung der Maschine verzögert. Und jetzt, pass auf: obwohl die Zeit mehr wurde, verringerte sich das Vertrauen in die angekündigte Realität der nahen Zukunft rapide.
Nun fragten die Kolleginnen und Kollegen im schnellen Wechsel, ob wir denn nun nicht mal aufstehen sollten. Wir saßen in Sichtweite! Wussten, dass es noch dauern wird! Aber man hatte keine Chance – und ich kein Ritalin dabei…
Die Upregung, die Upregung…da war sie wieder: irrational und fehl am Platz – allerdings voller lebensfremdem Charme…
Wir saßen aber nun im Zug und schnell wurde klar, wer sich richtig auf das Abenteuer vorbereitet hatte. Nur der Herr Ing. (aka Chefe) und Frau Rh. wussten durch angemessene Outdoor-Kleidung zu überzeugen. Ist ja oft so: gut ausgestattet und trotzdem etwas hilflos. Wobei ich das nicht eins zu eins gelten lassen kann. Sowohl - als aus…
Die Upregung machte sich aber immer mehr bemerkbar – mit jeder Haltestelle, die wir passierten, wurde der Druck unter den Mitreisenden größer, ins Freie zu springen. Sicherheitshalber hatte ich die Notbremse im Blick, um im Fall der Fälle ein Mitglied der Gruppe vor einer upgeregten Reaktion zu abzuhalten. Dieses „Aufzug-Syndrom“ muss man nämlich immer im Blick haben. Sonst wird ja keiner des Lebens mehr froh.
Angekommen, ausgestiegen und neugierig auf die Welt, die alle erwartete spazierten wir zum Treffpunkt, wo die Boote und ein Fachmann warteten, um den genauen Umgang mit Dings und Bums und Verhaltensregeln in der vorherrschenden Flora und Fauna vorzutragen.
Und bei dieser Gelegenheit fiel es mir wieder auf: man weiß es nicht. Eben dachte ich noch, Frau K. würde sich gut auskennen. Ich hätte ihr sogar mehrere Nanga-Parbat-Touren unterstellt – doch nun eine jähe Enttäuschung. Nachdem sie, sehr glaubhaft, beteuert hatte, dass sie die wilden Gewässer Europas mehrfach unsicher gemacht hatte, wurden Tipps von der Expertin gerne angenommen. So auch der, dass man am besten Flip-Flops anziehen sollte. Gott sei Dank bin ich trotzig und gehorche nicht. Ich lehne offenes Schuhwerk grundsätzlich und immer ab. Und was sagt der Einführungsprofi: auf gar keinen Fall offenes Schuhwerk! Da saßen sie nun, die Damen, die ihr geglaubt hatten. Ich dachte mir, die hat doch was vor, die Frau K., die will alle ins Unheil stürzen, mit ihrer Flip-Flop-Aktion. Man muss auf alles gefasst sein!
Nun wurde es spannend: die Boote wurde zu Wasser gelassen, in die reißenden Fluten. Die Wassertiefe betrug an manchen Stellen einschüchternde dreißig Zentimeter. Und die Tatsache, dass alberne Schaukelei zum Kentern führen könnte, ließ in mir eine weitere Befürchtung wachsen. Sollte der Herr Ing. einen seiner Schalktage haben, wäre ein Bad im trüben Nass mehr als eine Möglichkeit den Tag zu verbringen. So an der frischen Luft und als frischgebackener Naturexperte mit Abschusslizenz, da wird auch ein Mensch mit Doktortitel übermütig. Und gut gelaunt, das war er. Er saß hinten, weil da sitzen die Dicken, damit der Schwerpunkt passt. Der heißt schließlich nicht umsonst so. Und er musste steuern, während für mich nur die Reste übrigblieben, mit denen sich das Proletariat seit jeher zufrieden geben muss: paddeln (schnöde Arbeitskraft) und Vertrauen (keinerlei Kontrolle über den Arbeitgeber). Mir war klar, hier konnte ich nur verlieren und musste tapfer bleiben. Ich konnte ja nicht sehen, was der Herr Ing. so alles ausheckte, um Spango zu piesacken.
Doch ich freute mich darauf, wie etwa Frau Ro. mit der natürlichen Umgebung klarkommen würde – vor kurzer Zeit hatte ich sie auf einen Greifvogel hingewiesen, den sie blitzschnell zu einer dicken Taube degradierte. Ornotologisch fragwürdig, unterhaltungstechnisch fast unschlagbar. Ich sorgte mich nur ein wenig, war mir nicht sicher, ob sie die bereits vorhandenen, vielfältig zu erspähenden Taubenarten nicht ein wenig aus dem Konzept bringen würden. Es ging zwar flussabwärts, aber Frau Ro. und Herr S. sind auch nicht mehr die Jüngsten, wenn die sich verirren würden, wer bringt sie nach Hause? Und sowiewo: wer würde für die Verpflegung sorgen, wenn „Essen auf Rädern“ nicht bis in die Wildnis vordringen kann?

5 Kommentare

  1. lucky am 31.07.08 - 10:11

    hrhr, sehr schön - da möchte man Sie ja als Gast einladen, wenn unsere Firma demnachst zum Paintball geht.

  2. Tod Spango am 31.07.08 - 12:24

    gerne - habe schon als neunjähriger mit der schrotflinte schießen müssen...

  3. glamourdick am 02.08.08 - 17:31

    bin ja damals auch übern haff, mit der milchkuh und dem bollerwagen und dem bajonett im anschlag, den russen hart im nacken.

  4. glamourdick am 02.08.08 - 17:38

    es ist natürlich DAS haff. nicht DEN. weil ich wieder an HANF gedacht habe. ich weiß schon, warum ich so wenig aus dem krieg erzähle.

  5. Tod Spango am 03.08.08 - 16:43

    sehense - das sind sie - die kühe. ausm krieg kann man eben nur chiffriert erzählen, sonst glaubt einem niemand mehr seine jugendliche frische. was wäre eine schlacht ohne halluzinogene?


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