Dienstag, 29.07.2008
15:59 » Teambuilding mit Spango
Mussten Sie auch schon mal auf einen Team-Building-Ausflug? Das ist ja nix für mich, schließlich verbringe ich meine Tage lieber in einem Zimmer mit mir alleine. Natürlich komme ich mit mir auch nicht klar, aber in diesem Fall trifft es den Richtigen. Wenn man allerdings jeden Werktag, den Gott und alle anderen Halluzinationen ins Land gehen lassen, in einer Gruppe arbeitet, muss man Kompromisse machen. Und man muss sich zwecks „socialising“ auch einmal auf ein kleines Abenteuer begeben.
Draußen in der freien Natur, wo die Flora und Fauna den Gezeiten strotzen, der Wechsel zwischen Tag und Nacht den Rhythmus des Lebens vorgeben – hier sollte der Abteilungsausflug stattfinden. Tat er auch. Mit Paddelbooten wurde einer Strecke von zig Kilometern getrotzt.
Das muss man sich einmal vorstellen: 10 Menschen in Kanus, die sich schon im Büro gehörig auf den Zeiger gehen – gefangen in der Fuge aus Sauerstoff, tosender Strömung und blindem Vertrauen. Ich traue grundsätzlich niemandem. Mir sollte man eher auch nicht trauen. Obwohl ich natürlich unglaublich niedlich und unwissend bin, hervorgerufen durch mein jugendliches Charisma. Aber hinter dem Chaos steht – so lehrt es das Leben – ein multipler Geist, der zerstören will. Bei mir natürlich nicht – hinter mir steht ein altruistischer Leviathan – Konga-Toast in der einen – Zündkapsel in der anderen Hand. Kommt es zur Explosion, handelt es sich zumeist nur um eine zerstreute Regung. Unabsichtlich und gut gemeint.
Egal. Also während ich als naiver und harmloser Zeitgenosse jederzeit dazu in der Lage bin, mich in jeder Gruppe angemessen zu verhalten, kann einem bei anderen Menschen angst und bange werden. Man weiß es ja nicht. Kollegen, die werktags innerhalb ihres Arbeitsbereichs so tun, als wäre jeder Witz nur ein Witz, Chefs, die für ein Spässchen die eigene Reputation und auch die einer ganzen Bevölkerungsgruppe aufs Spiel setzen, junge Damen, die scherzhaft dem Spango mehrmalig mit Mord gedroht haben und andere, die einen tiefen Groll gegen mich hegen, diesen aber glauben hinter einem falschen Lächeln verbergen zu können. Ha! Ich bin ja nicht so blöde! Man muss immer mit dem Schlimmsten rechnen: Mord, Totschlag – Abmahnung.
Der Übersichtlichkeit wegen, werde ich nun einmal die Besatzungen kurz darstellen: Da wäre das Boot mit der ehrgeizigen Frau H. und der bezaubernden Frau K, die in der Folge als Migrationshintergund bezeichnet wird. Das Schiff mit der anglophilen Frau Rh., sowie der Sporty-Spice der Gruppe, Frau K., in der Folge als Frau K. bezeichnet. Das Boot der Jugend mit D., dem fleißigen Studenten, der als einer der wenigen nicht zur Hysterie neigt und der Gastvolontärin S., die immer gute Miene zu jedem Spiel macht, wohlwissend, dass ihr Aufenthalt zeitlich begrenzt ist. Das Schiff der Weisheit und Erfahrung beherbergt die mit allen Wassern gewaschene und trotzdem sprunghafte Frau Ro., sowie den Künstler mit gutgemeinter Nanny-Ambition Herrn S.. Schon eine ganze Menge, fehlt nur noch das Boot mit dem größten Tiefgang und der höchsten Silbenschlagzahl. Der Chefe mit Herrn Spango. Das sind keine bloßen Behauptungen – denn kein anderes Boot lief so oft auf Grund und keins hatte mehr Gelaber an Bord.
Eine erste Überraschung, die natürlich abzusehen war, stellte sich am Treffpunkt ein. Der Ort wurde mit konkreter Uhrzeit mehrfach angesagt. Was nicht bedeutet, dass jeder sich diese komplizierten Informationen merken kann. Denn, das muss ich zugeben, hier rotteten sich viele IQ-Punkte zusammen. Je höher der IQ, desto niedriger die Alltagstauglichkeit stimmt nicht wirklich, kommt aber in dem Fall dieser Gruppe der Realität ziemlich nahe. Sagen wir lieber die individuellen Ausprägungen der jeweiligen Intelligenzen in Kombination mit den anhängenden Restmenschen entfachen eine gewisse überzeugte Lebensentfremdung.
Alle sind immer so seltsam „upgeregt“. Selbst wenn die Uhrzeit und die Bezeichnung des Gleises angegeben werden, bedeutet es noch nicht, dass auch die richtige Stadt, das richtige Land bzw. der richtige Planet im richtigen Zeitalter aufgesucht werden. Paralleluniversen sind eh verbreiteter als man denkt. Vor allem im Alltag der Privatmenschen, die man sonst nur ein Drittel ihrer Werktage beobachten darf. Bei Ausflügen kommt eben alles ans Licht.
So fanden sich alle gerade so am richtigen Ort zusammen, um zu starten. War ja auch alles aufregend. Da wird aus einem Regionalexpress schnell eine S-Bahn, aus einer 4 schnell eine 7 und aus konkret ganz flugs variabel, um dann in einem Antimaterialöchlein zu verpuffen und dem Alltag noch zeitnah Platz zu machen. So draußen, so ohne Betreuer – selbst ich habe meinen Zivi zu Hause gelassen, weil ich mich als selbständiger Mensch präsentieren wollte – das schlaucht. Jetzt ist gleich der Akku leer – mir war aber klar, dass dieser Ausschnitt der Wirklichkeit mehrere Episoden haben würde, auch wenn nichts Aufregendes passiert ist. Außer, dass ich verarbeiten muss…

4 Kommentare

  1. glamourdick am 30.07.08 - 09:40

    eine mini-series!!!! geil!!!!!!!

  2. Tod Spango am 30.07.08 - 12:01

    ein balanceakt herr glam, schließlich darf man nicht zu charmant und nicht zu ehrlich zu kollegen sein...

  3. Alexandra am 18.08.08 - 16:46

    Konga-Toast ;o))

  4. Tod Spango am 18.08.08 - 17:20

    manche leckereien sterben eben nie (aus)...


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