Sonntag, 25.05.2008
11:29 » urtikaria-spango

habe mir brav die salbe erkauft. und ging arbeiten. am nächsten tag waren die pusteln fast verschwunden. glaubte schon, dass der kleine alte arztgnom zu meinem glück einen zufallstreffer gehabt hat. hatte er nicht.
denn einen weiteren tag später erwachte ich um vier uhr morgens. mein körper fühlte sich seltsam heiß an. ich schlich ins badezimmer und sah in den spiegel. mir gegenüber gähnte ein aufgeplatzter gedeckter kirchkuchen. von der innenseite meiner schenkel rankte sich über meinen bauch, den rücken bis zu meinem hals ein juckend-pochender pustel-efeu.

bravo, dachte ich bei mir, endlich eine gürtelrose. seitdem ich wirklich krank war, bin ich nicht mehr hypochonder, sondern weiß, dass ich recht habe. ein bekannter hatte vor ein paar jahren eine gürtelrose, die nicht diagnostiziert wurde. anstatt sie zu behandeln, hatte ihm das krankenhaus in der notaufnahme eine aufbauspritze verpasst und ihn anschließend wieder nach hause geschickt. dann ist die gürtelrose auf sein hirn geschlagen. ausfälle wie bei einem schlaganfall waren die folge. dann ging es um die wurst, die leben heißt. bis heute hat er noch eine gesichtslähmung, die nie wieder ganz verschwinden wird.

nun war mir klar, dass ich einen zweiten deftigen schlag auf den kopp wohl in meiner großartigen verfassung nicht unbeschadet überstehen würde. dachte aber, dass dann endlich die zeit für eine anständige ausbildung gekommen wäre. nach der nächsten reha eine schön staatlich geförderte ausbildung zum bürokaufmann oder so.

dann setzte ich mich an den computer, um meine panische selbstdiagnose zu bestätigen. schnell musste ich einsehen, dass zwar die form im großen und ganzen in der tat recht gürtelrosig war, im kleinen aber die pusteln meine diagnose nicht standhalten konnten. die waren nicht klein und dunkelrot, sondern rosa-quaddelig und variierten sehr in der größe. von fingernagelklein bis handflächengroß. schon war es mit dem ausblick auf eine fördermaßnahme asche.

ich legte mich wieder hin, da ein ruf nach der rettung zu hysterisch gewesen wäre. nach drei stunden erwachte ich überraschend und zum wiederholten male. die pusteln hatten sich weiter ausgebreitet und schon meine beine und arme unter beschlag genommen. ein paar erste ausläufer hatten es sogar bis auf meinen hals geschafft. nach einer kalten dusche mit - wie immer - sehr sanfter waschlotion - ging ich die praxis des trolls. meine wundmale hatte ich unter einem langarmigen hemd versteckt. man ist ja trotz allem ein etwas eitler mensch. kommt sich als kirschplunder auch wie ein aussätziger vor. gerade hier in der stadt wird man schnell in ein ghetto abgeschoben. da muss man aufpassen. von der trendy-cola-trinkerin forderte ich eine sofortige überweisung. die erhielt ich ratzfatz, nachdem ich meinen ärmel hochrollte und sagte, das ist überall, wollense mal sehen? den troll weigerte ich mich zu sehen.

dann ging es auf die suche nach einem hautzarzt. auch so eine spezies, mit der man eigentlich nichts zu tun haben möchte. für eine wirkliche auswahl war schlicht keine zeit. also zu dr. d.. so typus alteingesessen und allmächtig. zudem ist das wartezimmer an zwei wänden mit braunem teppich verkleidet. ein detail, das bei einem hautarzt aussagekräftig ist. übrigens wurde auch in seiner praxis seit den goldenen zwanziger nichts mehr renoviert. während ich wartete und y: the last man zu ende las, wurde ich leicht dramatisch und ersponn mir eine comicreihe mit dem titel sab. the last spango; untertitel: eine medizinische odyssee in dreizig jahren.

dann endlich der empfang. empfangen wird man bei dr. d. von der sprechstundenhilfe, die einen bittet, die betreffenden partien freizumachen. also komplett nackig. ich ließ die unterbux und die socken an. warte fünf minuten. dann kommt der fachmann. "das ist ja überall", sagte er, forderte mich auf, eine pitrouette zu machen. dann sollte ich die letzten hüllen fallen lassen. er flunkerte: "was ist das denn?" - als ich ihm das untenrum erklären will, welches durchaus von normaler gestalt ist, griff er mir an die lymphknoten...stochert und murmelt..."!ach nee - doch nicht..". dann erhob sich und entschwand. die sprechstundenhilfe erlaubte mir mich wieder zu bekleiden. nun verließ mich die gedulkd und fordere ein erklärung für die kurze erscheinung und die ausstehende erklärung. darauf diese: "der herr dokotr macht das immmer so, dann können sich die patienten wieder in ruhe anziehen und er sagt dann später die diagnose". ach ja, dachte ich, warte wieder fünf minuten, bis die lichtgestalt erscheint. der ausschlag wurde als nesselfieber diagnostiziert, aber als ganz schlimmes (eigentlich endstadium) , das wahrscheinlich wieder weggeht. dann wollte er mich krankschreiben, womit ich keinproblem hatte, da ich mich in der tat ein wenig durch den wolf gedreht fühlte. er wollte wissen, was ich beruflich mache. nach der info platzte er: "jaja - machen sie mal schön so weiter, dann sind sie bald millionar aber in zehn jahren tot!". endlich hat es mal jemand geblickt, wenn ich tausend monate arbeite, habe ich netto schon die erste million im sack! langsam verlor ich die beherrschung und erklärte ihm in einem netten tonfalls, dass er auf meine liste der unsympathischsten mediziner einen guten dritten platz einnimmt, wobei ich ihm versicherte, dass ich wirklich, wirklich viele kennenlernen dürfte. und fügte hinzu, dass es nett wäre, wenn er entweder über seine patienten bescheid wüsste (was natürlich eine sprachliche interaktion erfordern würde) oder einfach stille schwiege. er sagte nur "sie müssen selber wissen, was sie sioch für einen stress antun.". das tue ich. anschließend noch der elegante hinweis, dass "sollte ich atemnot bekommen - sofort ins krankenhaus, denn weit ist es nicht mehr bis zum anaphylaktischen schock...". eine sanfte information als ein aufwiedersehen.

die pusteln sind nun weg - obwohl sie mir zuletzt noch eine lippe bescherten, die mich zu einem gast-star bei den simpsons gemacht hätte. kurz hatte ich auch eine neue karriereidee: nur noch charity.

8 Kommentare

  1. Genosse am 25.05.08 - 19:47


    Urs, du ewiger Imperator!

    Was muss ich hier lesen? Wat für Ausschlag is´n des? Mein Hörr, sehet zu, dass Ihr einen richtigen Quacksalber konsultierst ... hört sich nach einer ziemlich fiesen Sache an ... GAH!

    Solltet Ihr Hilfe welcher Natur auch immer gebrauchen, so lasset es mich wissen!!!

    Ein entsetzter devoter

    Genosse :CO

  2. Tod Spango am 26.05.08 - 12:16

    bin wieder gesundet - war doch auch noch gar nicht fertig der text...sehr fixer fipse...

  3. glamourdick am 26.05.08 - 14:49

    hast du fotos gemacht? für eine weihnachtspostkarte?

  4. Holg am 26.05.08 - 17:54
    (editiert: 26.05.08 - 17:55)

    Muss wohl heißen: Urt, Du ewiger Ikaria (http://www.urtikaria.net/index.php?id=182).
    So leid mir die kurzzeitige Erkrankung natürlich tut, aber Quaddeln finde ich ein so lustiges Wort.

  5. lucky am 26.05.08 - 22:04

    uch jetzt juckts mich überall, aber ich hab keine lsut nachzugucken...
    meine lieblingsszene aus 'crimes of the heart', wenn sich jessica lange, sissy spack (rhymes with face-ache) und diane keaton das große alte buch der hautkrankheiten aus dem schrank hervorziehen...
    trotz despektierlichkeit hab ich das jetzt aber nicht gerne gehört & bin froh, daß Sie wieder gesundet sind! und immer denken: einen schönen menschen kann nix entstellen!

  6. Tod Spango am 27.05.08 - 09:28
    (editiert: 27.05.08 - 09:39)

    @glam: spango ohoven wünscht ein frohes fest
    @holg: urt von den quaddeln - herrscher über ikaria
    @lucky: vielen dank - auch die quaddeln besitzen eine eigentümliche ästhetik - sie versammeln sich nach und nach zu größeren inseln und bilden schließlich ganze kontinente - wie landstriche, die in einen sonnenuntergang getunkt sind...;-)

  7. glamourdick am 27.05.08 - 10:50

    schwarmintelligenz! das ende der welt, wie wir sie kannten! ausgelöst von einer quaddel-kolonie! killer-spango!

  8. Tod Spango am 27.05.08 - 11:26

    spangola-virus - boldly go where no virus spread before...


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