schwierig...eigentlich will man ja mal wieder etwas schreiben --- nur - worüber?
widrigkeiten, die mir sehr nahe gehen, will ich hier nicht eingehender beschreiben, über die arbeit kann ich hier nicht schreiben
- und den rest kriege ich irgendwie nicht richtig mit. der rauscht an mir vorbei. vieles nehme ich nicht mehr wahr. bin wie eine leere zahnpastastube, die noch wochenlang benutzt werden muss. und ich kratze die überbleibsel schon seit geraumer zeit heraus - reicht mehr schlecht als recht.
mit erschrecken habe ich eben festgestellt, dass ich mit musik gerade nicht mehr sehr viel verbinde. also mit musik, die ich in letzter zeit kennenlernen dürfte. ansonsten kategorisiere ich über gewisse lieder immer zeitabschnitte. nun lässt es mich kalt. verhallt genauso wie das meiste, was meinen nötigen alltag ausmacht. es bleibt nicht mehr viel hängen, das reservoir ist rappelvoll und lässt nur noch wenig herein.
selbst die mich immer noch schlauchende zugfahrt lässt mich kalt. ich steige automatisch ein, automatisch um, warte ungerührt und lasse es mit mir geschehen. insofern gibt es auch keine schnöden zugberichte mehr.
es gibt allerdings noch situationen, die ich ziemlich wachsam wahrnehme. arztbesuche etwa. weil ärzte, die kenne zuhauf. dutzende, die genauso gut oder schlecht sind wie alles andere was kreucht und fleucht. die konsequenzen der handlungen sind natürlich etwas folgenschwerer - als sagen wir mal - die falsche beratung beim schuhekaufen. ich bin ganz gut sozialisiert, was den umgang mit den weißkitteln angeht. denn bei dieser berufsgruppe ist die arroganz ziemlich schön verbreitet - und korreliert erstaunlich oft mit beißender inkompetenz.
letzte woche erwachte ich und hatte kleine pusteln in der hüftgegend. die juckten und sehr unschön aussahen. da ich mich ingesamt noch matter fühlte als in den wochen zuvor, machte ich mich zu meinem hausarzt auf, den ich seinerzeit mit bedacht gewählt hatte. ihm fehlt zwar einiges an sozialer kompetenz, immerhin nimmt er sich zeit und weiß, was er macht. nun, der hatte urlaub und ich ging zu seiner vertretung. gegen halb neun betrat ich die praxis - ein traum aus den 70ern mit angegilbten mobiliar. an der anmeldung eine schlange aus etwa zwanzig älteren mitbürgern, die sich gegenseitig sinnlos abdrängelten. ich stellte mich hinten an und konnte schön beobachten wie sich viele der - zumeist durchaus rosig bewangten senioren - lautstark darüber beschwerten, dass sie hier anstehen mussten, weil, das muss ja mal gesagt werden, an eben diesem tag, dem dienstag, sprechstunde für privatpatienten war. und nun das: vertretung - sprich konkurrenzgreise und lange wartezeiten. als ich so anstand, erspähte ich einen merkzettel für patienten und anderes gewürm, in dem ein paar regeln einen ton angaben, der mir missviel. es stand dort u.a., dass wartezeiten normal seien und nur im notfall ausnahmen gemacht würden. alles in einem sehr interessanten tonfall mit formulierungen wie "wir wissen, was zu tun ist, wenn..." und dergleichen. sicher, dachte ich bei mir, das medizinisch geschulte fachpersonal mit reichlich erfahrung in anamnese. sowieso ein gutes zeichen, wenn die sprechstundenhilfen trendy-cola light trinken und deren erstes interesse der art der krankenversicherung gilt. vor allem die 150 kilo schwere dame mit den roten stöckelschuhen erschien mir besonders vertrauenswürdig, zumal sie einer der dienstag-privat-sprechstundentanten erzählte, dass sie selbst schockiert darüber sei, wie viele kassenpatienten aufmarschieren. nun ja, eigentlich wenig überraschend, da mein hausarzt mit einem weiteren eine praxis betreibt, das läppert sich, wenn man zwei ärzte vertritt. außerdem war draußen schön zwanzig grad. die älteren herrschaften, die mit mir in der schlange stehen müffeln auch so lieblich, weil sie sich beharrlich weigern ihre gefütterten jacken auszuziehen. die fallen zuhauf wie die fliegen um, wenn die sonne rauskommt. wohl, weil sie nicht mehr mitbekommen, dass ihr schwacher körper ständig in einer sauna rumgeschleppt wird. und manche kommen kurz vor oder nach dem kollaps zu ihrem arzt, weil sie sich gar nicht erklären können, wieso ihnen nicht so gut ist. endlich war ich dran, nachdem ich aufgenommen wurde, als kassenpatient und mit dem hinweis, dass ich die zehn euro bereithalten soll, die der herr doktor persönlich einsammeln würde, setze ich mich in das wartezimmer. nach nur drei stunden kam ich an die reihe. in einem müffigen raum erwartete mich ein einenmetersechzig kleiner und etwa siebzig jahre alter mann in einem angegrauten weißen kittel. seine erste frage sprühte vor engagement und guten umgangsformen. "was wollen sie mir denn zeigen?" - von wollen konnte keine rede sein. ich grüßte zunächst einmal. und erklärte den ort und die art des ausschlags. schon schrieb er irgendwelche rezepte voll. dann wollte er überraschenderweise doch mal nachschauen. ich senkte meine hose, er seinen blick, blinzelte, näherte sich. drehte sich plötzlich um, griff in eine schublade und kehrte mit einer taschenlampe zurück. mit der inspizierte er genauer. dabei wackelte der lichtkegel zittrig auf den pusteln. er nährte sich nochmals. dieses mal schien er etwas zu sehen. was, bleibt sein geheimnis. auf nachfrage murmelte er etwas von leichter allergischer reaktion und schrieb ein neues rezept. anschließend kassierte er noch die zehn euro. auf meine nachfragen, die ich mit einem lustigen tonfall vortrug, warum er höchstselbst den betrag annimmt, murmelte er "man weiß ja nie". ach so - klar natürlich entgegnete ich und verabschiedete mich. nach etwa drei minuten. mit einem tollen rezept für eine salbe und der überzeugung dreieinhalbstunden vergeudet zu haben. splatter kommt im zweiten teil...
