Sonntag, 24.02.2008
14:39 » Tonträger-Blues
Habe gerade mal wieder CDs ausgemistet, was eigentlich nur dazu führt, dass ich wieder 450 Songs auf meinen iTunes draufgeladen habe. Echte Perlen, Songs, mit denen mich meine Mutter, respektive mein elf Jahre älterer Bruder gequält haben.
Bei den meisten wusste ich gar nicht, dass ich die auf Tonträgern im Schrank modern habe. Mittlerweile liegen sie da auch schon wieder, weil Ausmusterungsaktionen immer nur bedeuten, dass ich der Überzeugung bin, dass man nichts wegschmeißen darf. Wie ich vor meinen Freunden und Bekannten bislang verbergen konnte, dass ich ein Messie bin, ist mir in diesen Momentan dann immer kurz schleierhaft. Bis die nächste Melodie ertönt, die ich schon so lange nicht mehr gehört habe.

"Sorry Suzanne" läuft gerade, eine nette kleine Ode an das Leben und den dumpfen Mainstream-Käufer der 60er. Interpreten: die Hollies. Meine Eltern hatten das auf Vinyl, auf einer dieser unzähligen Sampler, ehemals Compilations, vormalig Hitaparaden-Knaller-Sammlungen. "Hithouse" gab's da, sogar mehrfach im Jahr. Darauf dann Granaten wie die zum ernsthaften Chanson konvertierte Dänen-Dürftigkeit Gitte, "Ich hab die Liebe verspielt in Monte Carlo" heißt der pompöse Schlager. Kennt man wohl nicht mehr. Ein anderes schönes Audio-Star-Ensemble ist die Ariola-Veröffentlichung "Feierabend am Kamin", mit Pat Boone, Paul Anka und Herb Alpert. Alles rauf auf den Rechner. Das klingt nach stundenlangen Autofahrten nach Österreich oder über den Brenner. Zwischendurch durfte ich dann mal Soulsister oder Holly Johnson hören. Hauptsächlich gab's aber immer die Oldie-Sampler, von Platte auf Kassette überspielt, damit leider aber auch mit dem Sprung in "Something Stupid", immer an der gleichen Stelle, "And If We Go Some *knarcks* leaving with me"

Das Wort Oldie muss damals ein findiger PR-Stratege ausgedacht haben. Überalle schossen Oldie-Sampler aus dem Boden. "Festival der Stars" hieß eines, davon habe ich mein Andy Williams-Trauma "Solitaire", das ich leider noch nicht in die digitale Welt hinüberretten konnte. Nur wenig später gab's dann die ersten 20-CD-Boxen im "Rufen Sie jetzt an"-Modus von Time Life, die im Grunde nur das spätere Formatradioprogramm vorwegnahmen mit den größten Hits der 60er, 70er, 80er, 90er und dem tollsten von heute. Der damals meistgesendete Spot fing immer an mit "Hurt" von Timi Yuro. Eben noch Bauchweggürtel mit echten Materialien aus der Raumfahrt, dann das markerschütternde "Aaaiiiiiiim soo-hu Hööat"

Selbst dieser Song muss manchmal sein, selbstredend habe ich ihn auf der Rock Box, die meine Eltern ganz beigeistert per Telefon gekauft haben, weil darauf ihr Tanzschullied "To Know Him Is To Love Him" von den Teddybears war und immer noch ist. Hätte es damals schon iTunes gegeben mit der für Statistiker wie mich formidablen Zählfunktion, würde dieser Song unangefochten auf Platz Eins kleben, gefolgt von "I Am...I Said" von Neil Diamond und - den muss ich meinem Bruder jetzt mitgeben - "Hymn" von Barclay James Harvest, der wahrscheinlich schlechtesten Band aller Zeiten. Und wenn ich das sage, ist mir die Existenz von DJ Ötzi, Las Ketchup und Loona durchaus bewusst.

Jetzt bin ich an einem Song kleben geblieben, das heißt, er läuft jetzt erstmal in Endlosschleife. "Higher and Higher" von Jackie Wilson. Das erinnert mich an jemanden, der gleich vorbeikommt, nachdem er sich seine Kopfschmerzen hat wegheilen lassen.





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