Vor allem Frauen in ihren Vierzigern und Männer im Bauchfreien standen gestern vor dem Berliner Hyatt und bestaunten, dass Madonna immer noch so aussieht wie sie eben aussieht, seit sie sich ihre Mimik hat taub spritzen lassen. Auf der anderen Seite, im Warmen, dem ersten Stock des Hotels, wartete die Presse und staunte, dass Madonna ihre Auftritte immer noch so inszeniert, wie sie sie eben inszeniert, seit sie über den irdischen Dingen schwebt. Das heißt vor allem: mit deutlicher Verspätung.
Auch Udo Kier war zu spät. Also eigentlich war er gar nicht zu spät. Er war ja schon oben in der Volkswagen-Lounge. Aber irgendwas trieb ihn nach draußen, die Treppe hinunter in die Lobby, wo er für fünf Minuten verschwand, um dann, etwas außer Atem, wieder um Einlass in den Presse/VIP-Bereich zu erbitten. Allerdings konnte er sich nicht ausweisen, weder mit einer Festivalberechtigung, noch mit einem, nun ja, Ausweis. Er müsse aber hinein, er sei ein Freund von Madonna, sagte er. Nicht etwa ärgerlich, was ihn grundsätzlich spontan sympathisch machte. Als er bei den anwesenden boujeaulais-rot gekleideten Sicherheitskräften allerdings auf Granit stieß, ließ er sich dazu hinab, zu sagen, dass er mit Madonna Musikvideos gedreht habe, ja sogar in ihrem "Sex"-Buch gewesen sei. Heißa, wenn das mal nicht ein Leumund ist. Entsprechend dämlich schauten die Security-Jünger aus der Wäsche. Rein kam er trotzdem, wahrscheinlich aus Mitleid. Weil er im "Sex"-Buch war.
