Dienstag, 18.12.2007
10:09 » einraumspango
Spango muss dringend umziehen. Weil leider niemand ihm eine Wohnung andient, fällt er in die Behausungen fremder Menschen ein, um sie unter die Lupe zu nehmen. Die Menschen eher unwillig. Die sind halt da.

Wieder erkennt man, dass die Welt sehr vielfältig ist. Ein bunter Strauß aufblühender Demenz mit duftendem Wahnsinn. Zunächst einmal die Preise. Nur, weil eine Stadt eine sehr alte Kirche ihr eigen nennt, die höher ragt als alle umherstehenden Gebäude, und ein Großteil der ansässigen Bevölkerung einmal im Jahr eine ganze Woche besoffen rumläuft, penetrant Bützken verteilend, kann das doch nicht bedeuten, dass man eine Abstellkammer zum Preise eines Schlosses anpreise kann.

Allerdings, wenn man bedenkt, dass der große Bau mit dem Kreuz von einem Pfaffen aus dem Osten regiert wird, der wiederkehrend dazu aufruft, alle Schwulen zu entmannen und nur noch Heiligenbildchen aus kretischen Souvenirsläden in den Museen der Welt auszustellen, wird das Bild runder.
Denn hier scheint die Selbsttäuschung und die fehlende Reflexion recht verbreitet zu sein. Als Beispiel, die alte Tucke, die immer in schwarz-fliederfarbenem Fummel rumläuft. Da baumelt dem seit mehr als siebzig Jahren etwas zwischen den Beinen, das er immerzu anfassen lassen will. Wohl am liebsten von jenen, denen er das Gebäumsel absprechen möchte. Wenn ihr nicht zupackt könnt ihr einpacken. Alles unter dem gestrengen Irrsinn einer Institution, die bald wieder in einer toten Sprache mit dem Rücken zu den Schäfchen ihre psychotischen Befehlslabyrinthe vor sich hinbeten wird. Alte Männer in bunten Kleidern, behangen mit allerlei Geschmeide, das gegenseitig abgeleckt wird. Der Niedere lutscht den Fingerschmuck des Ranghöheren ab. Ganz offensichtliche SM-Vorgeplänkel in heiligen Hallen zum Wohlgefallen der Sittenwacht, die von einem zweifaltigen Augenring aus deutschen Landen angeführt wird, der kurz davor steht, neben Tausenden von Missionaren und Exorzisten auch wieder Kreuzritter in die Welt zu versenden. Wie hat es Hagen Rether so schön auf den Punkt gebracht: „…so sieht also ein Gesicht aus, wenn man achtzig Jahre die Menschen liebt…“. Ähnlich ist es mit dem Frohsinn, der trunken in dieser Stadt alljährlich ausgefochten wird. Da passiert es mitunter, dass lustige Pierrotfamilien erst alles Herzen, um dann wild um sich zu schlagen. Von mir aus sollen sie feiern. Juchhee. Meinetwegen auch ihren blöden Dom preisen, der langsam aber sicher durch den ihn umspülenden Urin in die Tiefe gezogen wird.

Aber bitte doch keine Appartements als Zwei-Zimmer-Wohnung anpreisen, für deren Preis man ganze Häuser anmieten kann. Da habe ich nun nichts von meinen lustigsten Besichtigungen erzählt, sondern mich mit Kirche und Karneval aufgehalten. Zweimaliger Abschied vom Fleisch. Vielleicht ist das die Schizophrenie dieser Stadt: Fleisch wo hin man schaut. Und alles muss raus, weil alles zum Absprung bereit ist. Im Überfluss. Zu kostspieligen Konditionen.

Demnächst an dieser Stelle: Wohnungen inklusive Katzenpisseentsorgung und Innenhof, der als Fahrradständer getarnt ist.

1 Kommentar

  1. Genosse am 19.12.07 - 11:07
    (editiert: 19.12.07 - 12:07)

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