Mittwoch, 14.11.2007
21:39 » Bartmeditationen
So.
Ich habe mir in den letzten Wochen einen reichlich virilen Vollbart wachsen lassen und erwäge gerade ernsthaft, ihn heute noch abzurasieren.
Mit Bartwuchs experimentiere ich seit längerem periodisch herum. Auch der Vollbart war schon des öfteren ein Thema im zur Neige gehenden Kalenderjahr.
Anfangs aus reiner Bequemlichkeit.
Später zum Ausloten von Grenzen. [„Ich würde Dich schon bitten, den Bart abzurasieren, bevor ich Dich meinen Verwandten vorstelle.“]
Danach ging diese verkackte Jim-Morrison-Phase los, die eine kurze Unterbrechung kurz vor dem Ende [„my only friend, the end“] der Beziehung zu der oben zitierten Dame erfuhr, die einem Bartverlust meinerseits expressiv den Vorzug vor einem Gesichtsverlust ihrerseits eingeräumt hatte.
Der Bart als Gesichtsbedrohung. Interessantes Thema eigentlich. Ich frage mich, ob es diesmal so sein wird wie die Male zuvor, wenn ich den Fusselteppich weggesäbelt haben werde: Ich muß mich wahrscheinlich erst wieder an das darunter zum Vorschein kommende Gesicht gewöhnen.
Davon, daß da eins zu finden sein wird, gehe ich im Moment zumindest wieder aus.
„Der Bart steht Dir übrigens. Kannste tragen.“
Das aus dem Mund einer anderen langjährigen Vertrauten, die ansonsten nicht eben dafür bekannt ist, sich in Sachen Kritik an Äußerlichkeiten Umgebender zurückzuhalten [Spango berichtete].
Und halt immer noch diese verfluchte Bequemlichkeit.
Und Mr. Mojo Risin‘.
Das muß aufhören. Soviel ist sicher.
„Ich kann Deine Scheißnegativität einfach nicht mehr ertragen.“
So die Vertraute. Sie ist halt doch nicht nur ein Mensch des Äußeren. Aber der äußere Bart ist innere Scheißnegativität.
„Wintertime winds blow cold this season
Falling in love I’m hoping to be“
Und mit Bart wohl kaum.
Man muß Lord Jim gar nicht mit seinen eigenen Waffen schlagen. Ein Rasiermesser reicht völlig.
Und zuletzt auch noch einer der prominentesten Bartträger überhaupt: Jesus von Nazareth.
Die gesichtsbedrohte Bartbedroherin hat mir ein Kitschbild vom den Kreuzestod sterbenden Heiland aus dem Urlaub [Während ihres Urlaubs habe ich mir übrigens einen Bart wachsen lassen; Reaktion: „Mein Gott, siehst Du alt aus.“] mitgebracht, weil sie wußte, daß ich auf sowas stehe. Wenn man als Betrachter den Blickwinkel verändert, öffnen und schließen sich die Augen des Messias. Ein kokett zwinkernder, sterbender Gott eben. Wie kann man sowas nicht toll finden?
„Ich nehm‘ den jetzt nicht mit nach Hause. Es regnet.“
„Nee klar. Ich bring‘ ihn mit, wenn ich das nächste Mal zu Dir komme.“
Das nächste Mal ist nie passiert und wird nie passieren.
Ich frage mich, was sie mit Jesus gemacht hat. In die Mülltonne gestopft und durch etwas Vitaleres ersetzt?
Deponie ist eine Strategie.
Es geht um einen beschissenen, nachwachsenden Bart, aber irgendwie empfinde ich die anstehende Entscheidung als Weichenstellung.
Obwohl: Eigentlich ist es so ja ganz bequem...

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