Donnerstag, 08.11.2007
15:33 » spango entspannt
wer geht gerne zum friseur? ich nicht. aber wenn sich der seitenscheitel im lauen herbstwind windet und man sich selber in allen spiegelnden flächen als provokation empfindet, weil man sich für einen glotzenden fremden hält, muss man handeln.
ich neige zu ritualen. und zu misstrauen. also baue ich mir regeln, die nicht immer eingehalten werden können. eigentlich darf nur eine person meine haare schneiden. doch die hat besseres zu tun. nun muss ich mich in fremde hände begeben. und fremdschneiden ist ein schlimmes ding.
nun habe ich während der letzten stunde der schneiderin die rauswachsende dauerwelle wieder lockig gelabert. kann ja jeder rumlaufen wie es lustig ist. aber darf er mir auch angst machen? ich war erschreckt. außerdem konnte ich die dame kaum verstehen, sie schluckte alle schs und chs. mit so einer frikativ-phobie würde ich mich nicht ins dienstleistungsgewerbe begeben. und überhaupt sowieso nicht.

darüber hinaus bin ich seltsam aggressiv. nach vier tagen brüllendem kopfschmerz. das ist nun stufe zwei. lauernd schlurfe ich herum, wartend dass mir jemand blöd kommt. tritt das nicht ein, komme ich eben offensiv blöd. so ist das in zeiten des nichtstuns, da entspannt man sich und der klumpen frust ruckelt nur langsam richtung ausgang. stopft, drückt, stopft, schrabbt und wird rausgeschleudert. auf einmal ist raum da, den man neu bepflanzen kann. obwohl ich blumen mag, bringe ich aber erst mal gülle aus. weil es wohl das gegenteil von autoaggressiv ist und der rest (welt an sich) auch mal sehen soll, wie er klar kommt.

heute morgen musste schon der heiler dran glauben, den ich, während er mir blut abnahm lautstark und ungefragt ratschläge zur einrichtung seiner praxis gab. konstruktiv forderte ich die sofortige entfernung und verklappung aller abbildungen, die mir nicht in den kram passten. diagnosemethoden, die ich nicht akzeptiere, wünschte ich in die märchenbücher und gewichtigen themen, die mich nicht unmittelbar betreffen, entzog ich die existenzberechtigung. der heiler kennt mich, muss sich aber ziemlich konzentrieren, die kanülen zu befüllen, weil ich mit dem restkörper wild rumwedel. so als rethorisches copeira. später erzählt er mir von auswanderplänen für die ferne zukunft und ich befürchte schon, dass ich die zukunft habe näher rücken lassen.

gerade war die junge dame dran. zuerst verbot ich ihr, meine haarpracht mit diesem motorisierten prollo-wasserwellenvorbereitungsrasurpflug zu berühren. wer immer einen motor braucht, kann manuell keine granate sein. vorsichtig versuche ich ihr klar zu machen, dass ich weder das bedürfnis habe, wie ein g.i. auszusehen, noch eine moderne kurzhaarfrisur will, weil ich weit jenseits der dreißig und konservativ bin. sie seufzt. ja, das kann sie. keine zischlaute, dafür töne des missfallens. dann will ich die haare nacheinander kürzer, länger, und vor allem ohne bollo-bollo-stufen. es geht eine zeit lang bis sie diese zick-zack-schere auspackt und ansetzt. wieso sollte ich mir freiwillig meine haare ausdünnen lassen? hatte ich nicht erwähnt, dass in einem alter bin, wo jedes haar zählt? murrend schneidet sie weiter. gibt sich redlich mühe und wir beide gehen friedlich auseinander. die junge tracy lords, die mir eine gratis-kopfmassage gegeben hatte, kassiert. natürlich wollte sie mich nur als stammkunden gewinnen, denn sie will mir so eine beknackte rabbatkarte aufschwatzen. ich lehne ab und entferne mich höflich. mit der frisur bin ich nicht ganz zufrieden, das kann aber auch an meinem mitgebrachten kopf liegen. so kam es zu keine blamage. ein postalveolarer frikativ wäre auch beidseitig ein wenig wünschenswerter abschluss gewesen.

gestern war ich zum wiederholten male mit herrn glavinic im bett. den hat mir mein s. geliehen und ich amüsiere mich prächtig in den passagen, wo er nicht hervorkehrt, wie besonders besonders er ist, weil er immer an seiner besonderheit zweifelt. vielleicht weiß er es ja noch nicht, aber eigentlich sollte herr glavinic sich einmal als script-doctor versuchen. viele dialoge in deutschsprachigen machwerken würden davon sehr profitieren.

2 Kommentare

  1. lucky am 09.11.07 - 10:09
    (editiert: 09.11.07 - 11:09)
  2. Tod Spango am 09.11.07 - 16:12
    (editiert: 09.11.07 - 17:12)

Kommentarfunktion deaktiviert.