Montag, 29.10.2007
11:19 » Spangovariationen
Es tut gar nicht gut, zu viel nachzudenken. Die letzten zwei Wochen war ich dazu gezwungen, auch noch über mich. Und was kommt dabei heraus? Also zum einen, dass man, wenn man sich zu Engagement durchringt, sich letztlich doch falsch entschieden hat. Zumindest in der Praxis. Irgendwann rennt man immer weiter, ein Ziel vor Augen, für das man sich jetzt entschieden hat. Das Ziel, dem man eineinhalb Jahre gewidmet hat, erweist sich dann eher als Fake, der im Grunde seit längerem lauerte. Ganz in der Nähe. In jedem zweiten Gebüsch, das man tagtäglich überrannte. Doch schließlich wäre man nicht Spango, wenn man sich – einmal entschlossen – einfach weiterhin etwas in die Venen schießt, um blind weiter rennen zu können. Da wird nicht auf Büsche, Nachrichtenticker, oder Kommentare gehört, die oftmals von Passanten an der Rennstrecke mit besorgter Miene geäußert werden.

Spango ist so ziemlich alles, nur kein Mensch, der die Arme ausbreitet und alles herzt, was so im Weg rumsteht. Lieber stellt er sich für eine Zeit schlafend und beobachtet. Man weiß schließlich: die Welt meint es nicht gut, die meint erstmal gar nichts, sondern funktioniert aufgrund irgendwelcher Kriterien, die irgendwelche Idioten einmal bestimmt haben (zum Vergleich s. Wahlrecht, die strenge Flappe von Herrn Steinbrück oder DIESEN MIST). Dann kann man immer noch entscheiden. Nach einer angemessenen Dauer. Doch wenn sich Spango einmal entscheidet, dann gibt es erst mal kein Entkommen. Weder und vor allem nicht für Spango. Genauso schwer es fällt, ein Gleis umzustellen, genauso schwer ist es, das Gleis selbst wegzusprengen.

Dann muss man halt mal reden. Und natürlich redet Spango gerne. Meistens. An guten Tagen. Aber nicht so gerne über die Gleise. Seine, die er nach langer, reiflicher Überlegung mal wieder falsch gestellt hat. Weil er weiß nicht mehr Bescheid. Ist nicht mehr Herr der Lage. Sondern muss sich erklären. Erklären muss er sich zu allererst, warum er das Gleis mit dieser Konsequenz befahren hat. Zumindest einer Konsequenz, der es dann doch sehr an Aufsicht und Absicherung mangelte. Und auch interessant, wie sehr 18 Monate doch vieles umschmeißen können. Da erkennt man sich selbst nicht wieder, weil man sich nicht mehr genau bei seinem Rumgekungele zusieht. Oder auch nicht mehr in der Lage ist, wirklich alles unter Kontrolle zu bringen, was bisher wichtig war. Im letzten Monat führte ich vier Gespräche, die so einiges sichtbar machten, was ich schon nicht mehr im Blick hatte: Zum einen wäre da der konsequente Spango, der mit offenen Augen durch die Welt marschiert und bei jedem Anzeichen von Verarsche sämtliche Waffen aktiviert, die so herumliegen. Zur Freude des Umfelds auch diejenigen, die völlig unangemessen sind. Also Atombombe für Mückenstickjucken. Und wieder fehlt die Relation, warum nur die Entscheidung zwischen Weltkrieg und schlafender Sitzblockade? Warum nicht einmal eine angemessene Verhaltensstruktur? Da wäre dann noch der Kontroll-Spango. Der ist immer da, auch wenn er längst leblos über den Seitenstreifen der Schnellstraße robbt und viertelstündlich von einem Sattelschlepper erfasst wird. Und aus diesem Grund ist er völlig kontraproduktiv. Anstatt die Augen zu öffnen, wird der tote Kontroll-Spango betüddelt. Man bringt ihm ein Süppchen und wartet mit ihm händchenhaltend auf den nächsten Sattelschlepper. Man könnte natürlich auch mal die Schnellstraße verlassen. In eine Pension einkehren. Ein heißes Bad nehmen und den Kontroll-Spango auf eine ausgedehnte Kur schicken. Das lässt er sich aber nicht gefallen. Sondern er fordert weiterhin die Kontrolle. Die sich darin erschöpft, den Kopf zu heben, damit er die herannähernden Sattelschlepper sehen kann. Und der schlimmste Spango ist der Blockadespango. Wenn nichts mehr geht, alle Spangos längst in Kur gehören, dann setzt sich der Blockadespango vermeintlich schützend auf die anderen Spangos und schnürt ihnen die Restluft ab. Er verteidigt den Kadaverhaufen sehr vehement. Wirft mit Dingen um sich, damit die Eintracht der Verrottung nicht gestoppt wird.

Zur eigenen Verteidigung muss aber auch gesagt werden, dass der Blockadespango nur dann wirklich biestig ist, wenn das Umfeld den Grund für seine Existenz nicht sehen will. Da wird der fuchsteufelswild. Ist es ein Hilferuf? Nein. Nur die Ankündigung, dass sich einiges wieder ändern muss. Den Sattelschleppern ein paar Nägel zwischen die Felgen geworfen werden. Damit man nicht zu sehr viel nachdenkt. Denn das führt zum Totalausfall. Da bin ich konsequent.

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