Freitag, 12.10.2007
01:19 » mein haustier
nach langer zeit konnte ich gestern wieder totoro sehen. ein film von miyazaki aus dem jahr 1988. und wieder war ich gebannt von der art wie er geschichten erzählt. er trifft immer den richtigen ton, in passagen, wo es leise zu gehn sollte wird er laut und andersherum. und hat immer recht.

wie immer erzählt er die geschichte aus einer unschuldigen perspektive. aus der eines kindes. in diesem falle einer vierjährigen. eine vierjährige, die mich nicht genervt hat, obwohl sie sich authentisch benimmt. inklusive plärren, am hosenzipfel hängen und schmollen. myazaki nimmt sich der sache an, indem er sie ernst nimmt. kindern wird auf augenhöhe begegnet und aus diesem grund schwingt man bei der geschichte mit. man interessiert sich und nimmt teil.
totoro ist der nachbar, der die vierjährige in einem riesigen baum, der an ihr neues haus angrenzt, findet. er ist ein riese, dessen mund eigentlich nur ein kleines löchlein ist, das er aber bei bedarf aufreißen kann, als wolle er eine ganze schulklasse verschlingen. totoro ist eine art naturgott. ein mythisches wesen mit zauberkräften, das allerdings ebenso unschuldig und unvoreingenommen ist wie die vierjährige. er reagiert auf alles, das ihn fasziniert mit begeisterung. ohne falschen filter, der erst einmal abwägt.
und totoro ist es auch, der dem mädchen hilft, nachdem sie ihn als freund gewonnen hat, ohne von ihm abgeschreckt zu sein. miyazaki beschwört die kindheit und die natur als wahrheiten, die immer mehr in vergessenheit geraten. dabei lässt er die erwachsenen nicht wie idioten aussehen, sondern wie überraschte zuschauer, die sich wieder zu erinnern scheinen, wenn sie die kinder beobachten. anders als in prinzessin mononoke oder spritited away fehlt die ursprünglich-brutale komponente der natur, die sich zur wehr setzt. in totoro werden die werte der natur über die geschichte transportiert. primär durch ihre bloße schönheit, ihr dasein. kitsch fehlt völlig. hier gibt es keine doofmoral wie bei vielen disney-filmen. und die musik ist - wie immer - erstklassig. von meister hisaishi, von dem horner, zimmer und co. lernen könnten, dass ideen und ein wenig komplexität nicht schaden können. zumindest wenn man einmal die grenzen zwischen erwachsenen- und kinderfilmen einmal überwinden könnte. es gibt halt nur gute oder schlechte. wobei miyazaki eine klasse für sich ist.
der ausschnitt zeigt wie totoro und seine kleineeren kumpanen den mädchen dabei helfen, die von ihnen gepfanzten nüsse sprießen zu lassen. die szene beinhaltet viele komponenten des könnens von miyazaki: zärtliches erzählen mit kawuppdich, leidenschaft für die charaktere und die liebe zu details, die große geschichten ausmachen. außerdem beweist er, dass großartige bilder nicht am computer entstehen müssen, sondern ihren ursprung in der phantasie haben.

ich brauche kein haustier mehr zu suchen. ich nehm den totoro. der wohnt jetzt in meinem bonsai und schreit mich in den schlaf.
so kommt er zu seinem schirm, den er mit stolz bei sich trägt:

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