Mittwoch, 12.09.2007
09:01 » Wintermärchenstunde im Punschkrapfen

Das Land ohne Eigenschaften. Außen ist es rosa und innen braun vergoren. So zitiert (sinngemäß - einen hat Spango im Sinn, nicht immer nur das eine)Herr Menasse aus dem Romanfragment Katzenmusik eine Definition des Landes, in dem er geboren ist.

Der Punschkrapfen ist ein mächtiges Symbol für das Land ohne Eigenschaften. Mit geballter Höflichkeit geht es allen an den Kragen. Wobei die Höflichkeit gerne ratzfatz versickert. Die eh braune Suppe fließt ab und lässt die Rotze über. Dort wo die Macht aufhört setzt dann die Gewalt ein. Vor allem verbal. Zunächst wird immer zum Tanz gebeten und selbst die kühnsten, parfümiertesten Versprechungen und Rechtfertigungen sind so glaubhaft wie das nur mühsam aufgetragene Puder, das die groben Furchen der Bosheit verdecken soll.
Muss man Menschen auf Augenhöhe begegnen, muss man kurz warten. Die Fratze geht ins Licht und die Krater im Gesicht brandmarken das Wesen Österreich als Röckchen tragende Göre, die immer eine Kalaschnikow im Schlüpfer griffbereit hat.
Die wird dann hervorgezogen, wenn der Gegner keiner ist. Das Gegenüber eh keine Chance auf Erwiderung, geschweige denn Verteidigung hat. Für alle anderen wird immer der Hofknicks gemacht.
Robert Menasse ist ein streitbarer Künstler, der oftmals polarisiert und die österreichische Gesellschaft unter die Lupe nimmt. Dabei kann er einem schon ziemlich auf den Sack gehen, weil seine Arroganz schon beachtlich ist. Kaum einen ebenbürtigen Gegner hat. Dabei sind aber Großteile seiner Betrachtungen, in denen er die Ebenen immer wieder austauscht und anders betrachtet voller Einsichten. Einsichten, die immer erst nach vielen Schnörkeln und vermeintlich Ehrenrunden zustande kommen. Allerdings ist Österreich anders schwer beizukommen. Zu gut tarnt sich das Fettgebäck mit Vanillesoße und biedert sich geschickt als äußerst bekömmlicher Nachtisch an, der sich während des restlichen Menüs hinter den anderen Gängen feige versteckt.

Also: immer schön auf alles schießen, was sich eh kaum bewegt. So gibt es eine offizielle Pressemeldung der F P Ö (von deren Vors. In Graz) zu einem geplanten Film des ORF, den der große Herr Murnberger inszeniert. Mit folgendem eleganten Satzelement in der Überschrift: „ORF produziert übelste Überfremdungs-Propaganda!“ Dann schließt sich ein Text an, in dem gefordert wird, dass gefälligst ein Film gemacht werden solle, der „Schönheit und Kultur“ des Punschkrapfen „widerspiegelt“, anstatt „Negerasylanten zu Helden“ eines „Dorfes“ zu machen. Und das gar tödlich frisierte Jungweib fügt hinzu, dass das ORF schließlich nie ausreichend über „Straßenschlachten“, „Messerstechereien“ und den „Drogenhandel“ berichten würde, mit denen „Asylanten“, nach der Meinung von Susanne-Eva-Martha-Winter einen Großteil ihrer Freizeit im Fettgebäck verbrächten. So ein Text wäre hier noch nicht einmal als Teil eines Kabarettprogramms tragbar. In Österreich schon, weil hier regiert noch die Verschiebung der Ebenen, der Gebrauch von in Deutschland klar gefärbten Begriffen, die im Punschkrapfen für jedes Gericht verwendet werden und dadurch alles durchmischen.
Den Link spare ich mir, ich will diesem Text keine weitere Öffentlichkeit schenken. Aber vielleicht schaffen Sie sich mal das Land ohne Eigenschaften und Katzenmusik an, bevor sie wieder in Wien eine Melange schlürfen. Man kann den Punschkrapfen genießen, muss nur wissen, dass er braun vergoren ist. Dann geht’s….
Hier ist der Link zu dem "besprochenen" Film, DER SCHWARZE LÖWE. Der muss gut sein. Das sagen uns die Ebenen...

2 Kommentare

  1. raketenprinz am 12.09.07 - 15:02

    Ach, Wien... auch nur ein Museum mit 1,6 Mio Museumswärtern.

  2. Tod Spango am 19.09.07 - 12:02

    ein paar sachen sind schon leiwand...in wien...


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