Gestern schon. Wissend, dass der Kopf wohl zeitlebens nicht mehr ganz klar wird, war „ein bisschen klarer“ ein annehmbares und kein unerreichbares ziel. So lief ich mit der kleinen D. herum. Seicht plätschernde Gewässer, deren einziger Reiz aus aufmüpfigem Entenpersonal bestand begleitete unseren langsamen Gang. Die kleine D. geht sehr langsam. Sie hat auch nur kleine Beine an ihrem kleinen Körper. Das ist alles sehr gut aufeinander abgestimmt. So gut, dass sei kürzlich ihr Schuhwerk wieder in der Juniorversion kaufen konnte. Die kleine D. durchbricht die vom Handel gesetzten Grenzen von ausgewachsen und vormundspflichtig souverän. Andere Menschen, die, nach meiner beschränkten Meinung zu langsam gehen, werden mitgerissen oder zurückgelassen. Die kleine D. nicht. Die darf den Schritt vorgeben.
Dann stellt die kleine D. fest, dass wir uns seit nunmehr 16 Jahren immer wieder über den Weg laufen und wir belügen uns lachend, als wir behaupten, dass wir den Menschen vor 16 Jahren immer noch bis aufs Haar gleichen (nur das Batiktuch fehlt bei der kleinen D., während Spango mit Recht auf den Pferdeschwanz verzichtet). Für diese reife Selbsttäuschung kehren wir in ein Café ein. Hier herrscht die angemessene Düsseldorfer Sonntagsstimmung der überfressenen Depression. Auf der Veranda, mit Blick auf einen etwas sehr grünen Weiher.
Zu meiner Rechten ein Ehepaar, das sich kontinuierlich anschweigt, wenn es denn nicht eine Bestellung aufgibt. Der Kellner besteht aus einem gefrorenen Lächeln. Reichert seine Antworten sehr ungelenk mit Plattitüden an, die bei der kleinen D. zu spontanem Stirnrunzeln führen. Sprühsahnefreundlichkeit aus matten Augen, durch Lebensunlust komplett entleert. Nicht, dass Spango ein Wunderbrunnen ist, dessen Lebensfreude herausfontänisiert. Auch die kleine D. bewegt sich neben Spango eher gebeugt. Aber immer mit einem Lächeln. Schließlich weiß man, was man hat. Aneinander. Miteinander. Trotz allem. Dann gibt die kleine D. zu, dass sie nicht mehr arbeiten will. Zählt allerhand Dinge auf, die sie stattdessen zu tun gewillt ist. Mein Lieblingsding: „In der Sonne liegen, wie ein Wal auf einer Liege“. So fühlt es die kleine D., dabei ist sie höchstens eine Schillerlocke. In Relation. Ohne Batiktuch. Mit Kinderschuhen. Aber ich verstehe. Nach 16 Jahren.
Spango fährt anschließend weiter, trifft sich schließlich mit Frau Dr. B. und muss feststellen, dass die Vergangenheit immer so präsent ist. Bei den anderen. Obwohl Spango darüber nicht reden will, weil er sich doch nach vielem zurücksehnt und dann die Lieblingsmenschen wochenlang mit Gejammer nervt. Frau Dr. B. stellt fest, dass ich sie nunmehr vor 17 Jahren aus dem See gezogen habe. Das ist nicht nur richtig, sondern auch schon so lange her.
Insgesamt ist es erstaunlich, dass Spango seine Umwelt mit Menschen füllt, die ihn lange ertragen. Für neue Menschen ist er nicht wirklich zugänglich. Die will er sich nicht zumuten und andersherum. Ein Mensch wie Spango kommt schnell in Erklärungsnotstand. Außerdem ist er der Meinung, dass das Meiste die Masse nichts angeht. Schwierig.
Da mein S. auch da ist, muss er sich nun Fotos vom ehemaligen Spango ansehen. Schnappschüsse, die eigentlich unter Verschluss gehören, würde Frau Dr. B. sie nicht so fröhlich als perfekte Porträts präsentieren. Ich erkenne mich manchmal wieder, manchmal schäme ich mich und manchmal trauere ich. Aber immer jammere ich, wenn ich alte Fotos sehe. Vielleicht ist es nicht ganz richtig. Vor zehn Jahren gab es den bleichen Biafra-Spango, der seeeehr überzeugt von sich war. Vor etwa acht Jahren den braungebrannten. Spango-die-Sehne. Letzteren vermisse ich. Beim ersten nur seinen uneingeschränkten Willen, eine Granate zu sein, obwohl die Augen in tiefschwarzen Höhlen stecken und der Hals wie ein kleiner Finger aussieht, dessen Fingerkuppe durch einen überdimensionierten Sombrero (SpangoseinSchädel) ersetzt wurde. Aber Spango-die-Sehne, die ist schon ne blöde Sau, wenn sie so tut, als wäre der heutige Rest aus ihr hervorgegangen.
Vielleicht ist der Rest auch nur müde und faul. Ganz sicher ist es ihm heute schon wieder ziemlich egal. Was schert Spango sein Aussehen von Gestern? Eben. Genau. So lange gewisse Standards eingehalten werden, die Enten nicht die Flucht ergreifen, der Staatschutz nicht hinter einem her ist und es genug Menschen gibt, die alles mittragen ist es unwichtig. Aber trotzdem immer wieder ein Aufreger. Man ist schließlich noch nicht tot.
d e r
abspann des spango

Spango die Sehne will ich gar nicht, der wird von unersättlichen Frauen angemacht...
spango ist in allen aggregatszuständen komplett unempfänglich. geschlechtsunspezifisch. sie bewegen sich in einer risikofreien zone. natürlich nur, was das angeht....
strange days....
off topic: tippen Sie mal bei imdb "carnivale".
(editiert: 11.09.07 - 21:22)
das ist eine tolle serie...die leider nur zwei jahre alt wurde....
Before the beginning, after the great war between heaven and hell, God created the Earth and gave dominion over it to the crafty ape he called Man. And to each generation was born a creature of light and a creature of darkness, and great armies would clash by night in the ancient war between good and evil. There was magic then. Nobility. And unimaginable cruelty. And so it was, until the day that a false sun exploded over Trinity, and man forever traded away wonder for reason.