Montag, 03.09.2007
09:13 » senioren am morgen
Oh nein! Schon wieder so ein Morgen. Morgens rede ich nicht gerne, weder mit mir noch mit anderen Menschen. Grundsätzlich rede ich sowieso beiweiten nicht so gerne, wie es die Schlagzahl der Wörter vermuten lässt, die ich tagtäglich ausstoße.

Zumal der heutige Tag so zauberhaft begonnen hat. Immer noch den verstopften Kopf, und – jawohl – auch immer noch Gliederschmerzen. Früher habe ich, weil es die Werbung versprach und mein Körper vertrug, bei ähnlichen Zipperlein immer eine doppelte Dosis WickMedinait genommen. Nachdem ich mir ein zu heißes und zu langes Bad gegönnt hatte. Danach habe ich nicht nur wie ein Stein geschlafen, die ungesunde Kombination aus verschiedenen, unentschlüsselbaren Mittelchen hat den Körperstoffwechsel auch dermaßen irritiert, dass er alles platt gemacht, was sich ihm in den Weg stellte. Inklusive die Viren. Gesund war das nicht. Seinerzeit aber effektiv. In der Jetztzeit würde ich mich diese übermütige Herangehensweise wahrscheinlich himmeln.

So mache ich kleine Schritte in Richtung Normalzustand. Das ist nicht nur vernünftig, sondern auch dem Alter angemessen. Und scheiße.

Abgesehen davon regnet es in Strömen und das bekommt dem immunsystemlosen Spango wunderbar. Allein stimmungstechnisch ein Knaller. Dann sehe ich am Gleis einen Menschen, der in Spangos Stufe war. Ich vollziehe einen eleganten, aber auch etwas offensichtlichen U-Turn. Nur um wieder einen Haken schlagen zu müssen, weil ein genauso nervige Dame aus der düsteren Schulvergangenheit in meine Richtung guckt. Ich verstecke mich hinter einen Pfeiler, rauche eine Zigarette und bete. Klingt ziemlich übertrieben. Allerdings, wer nicht glaubt, der darf alle Mittel zu jedem Zeitpunkt ausnutzen.

Gott sei Dank (sehen Sie) komme ich um eine öde Konversation herum. Als ich in das Abteil ansteige sitzen die beiden Gestalten in Sichtweite und sie gucken immer rüber. Ich habe Stöpsel im Ohr und spiele geistesabwesend. Hole den Laptop heraus und tippe seit Beginn der Fahrt hochkonzentriert diesen sinnlosen Text. Gleich habe ich es geschafft und muss mich nur noch unbemerkt herausschmuggeln. Ich denke daran, mich hinter einem der gewaltigen Rentner zu verschanzen, der mit seiner Kloppitruppe eben zugestiegen ist. Den werde ich bis zum Ausgang schieben. Öffnen sich die Türen, werde ich in vornüber kippen und in die Freiheit entsteigen. Der Freiheit aus Ruhe und Kommunikationslosigkeit. Der Zwang zum Gespräch beginnt heute noch früh genug. Wenn es nach mir ginge, könnte man zur Mittagszeit mit Reden beginnen. Bis dahin kann sich jeder überlegen, was man den ganzen Resttag dem Umfeld an die Backe labern will.

Bevor sich nun ein paar Zuhörer freuen, die mitunter den Eindruck gewinnen, Spango rede zu viel und wäre zu forsch in seiner Dialogforderung: ein paar Menschen kommen nicht darum herum, immer und unaufhörlich mit Spango reden zu müssen. Es gibt eine kleine Anzahl, mit der will man sich immer austauschen. Soviel, dass man genau weiß, dass die Zeit nie ausreichen wird, um genug zu erfahren.

Jetzt hat der gewaltige Rentner mitsamt seinen gewaltigen Altersgenossen- und genossinen (etwa zehn) einen Riesenstau verursacht. So schlägt man keine Brücke zwischen den Generationen! Der Zug hält. Und die Gewaltigen fragen sich untereinander, ob das denn nun Köln HBF sei, der ja gerade durchgesagt wurde. Die Mitreisenden anderen Alters bejahen. Bis sich auch die Gewaltigen aufmunternd zunicken. Die Türe öffnet sich, und schon wieder schleicht sich der Zweifel ein. Ob das wirklich Köln sei. Obwohl wieder alle zustimmen, schließlich auch der sinnlos Fragende, bleiben die Kolosse trotzdem noch stehen und schauen fragend die Welt an, die außerhalb des Zuges auf sie wartet. Dann wird gemächlich ein Mephisto-Wanderschuh vor den nächsten getremort, bis auf der Treppe wieder kein Vorankommen ist, weil sich die Kolosse nach der Hälfte der Stufen fragen, wo denn hier der Aufzug ist.

Nein, so wird das nichts! So schlägt man keine Brücke zwischen den Generationen! Demnächst wird jeder gewaltige Rentner von mir beim Verlassen des Zuges vornüber gekippt und leistet so seinen Beitrag für ein friedliches Miteinander. Egal, ob ich auf der Flucht bin oder nicht.

2 Kommentare

  1. DerSven am 03.09.07 - 10:32
    (editiert: 03.09.07 - 12:32)
  2. Tod Spango am 03.09.07 - 12:57
    (editiert: 03.09.07 - 14:57)

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