Montag, 30.04.2007
15:30 » Die Zeit der Irren und Idioten

In carmen veritas?


Es ist wie Sommer heut im Mai.
Die * haben Hitzefrei.
Die Polizei putzt ihre Scheiben.
Die Heiratsschwindler übertreiben.
Die Stadt riecht schweißig und nach Äther.
Es kichert leis der Attentäter.
Noch unentdeckt sind all die Toten.
Das ist die Zeit der Irren und Idioten.

Betrogne Männer gehen mit Strick
Zum Stadtwald, kommen nicht zurück.
Die Nonnen lutschen an Lakritzen.
Die Mönche untern Kutten schwitzen.
Ein Onanist stiert vom Balkon.
Ein BMW fährt durch Beton.
Es sterben zwanzig Fahrradboten.
Das ist die Zeit der Irren und Idioten.

Ein Ex-Minister lacht verstört.
Der Mittelstand ist höchst empört.
Die Spanner liegen auf der Lauer.
Die Hochdruckzone bleibt von Dauer.
Der Asphalt hat sich hochgebogen.
Der Fliederduft setzt unter Drogen
Und jede Logik ist verboten.
Das ist die Zeit der Irren und Idioten.

Ein Säufer hat sich stumm gegrölt.
Die Hausfrau hat sich eingeölt.
Selbst nachts bleibt diese Affenhitze
Über die Stadt wie eine Mütze.
Es wird verrückt selbst der Solide.
Dann häufen sich die Suizide.
Touristen kotzen von den Boten.
Das ist die Zeit der Irren und Idioten.


Hans-Eckhardt Wenzel in
Schöner Lügen (2000)



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