ich habe nicht den geringsten schimmer, was sich das deutsche rechtsystem denkt. da sind aber nun natürlich noch die öffentliche meinung. generiert durch das debilen-ping-pong zwischen bild, explosiv, welt, csu, express und dergleichen. welche wiederum von öffentlichen leistungsträgern und sekundären meinungsmachern und - ausnutzern verfolgt wird. leistung hier: hinterherhecheln und mit dem arsch denken; schnupprige annäherung an das intelligenzloch, aus dem der nachrichtenkot suppt. mit der nase/schnauze reinstoßen. einen tiefen zug nehmen und das braune gelump an jeder ecke ungefragt ranschubbern.
so fordert jeder vorzeigeidiot die möglichst schmerzvolle hinrichtung der noch in haft befindlichen RAFterroristen. warum? weil es in dem bestehenden sturm aus dumpfen dämpfen, die genau richtige olfaktorische ergänzung darstellt. da wippen die mutanten in verlassenen landstrichen des ostens genauso mit wie die verklemmten sozis im kohlenpott. ach, wie schön wäre es, würde dieser nebel verduften.
wenn nun ernsthaft von hinterbänklern gefordert wird, dass von den häftlingen eine beichte abgelegt werden müsse, die belegt, dass sie wieder in die gar so offene demokratische gesellschaft integriert werden können, dann muss man doch zu bedenken geben, dass eben diese fordernden diejenigen sind, die von der existenz der offenen demokratischen gesellschaft scheinbar nichts wissen. ihr wunsch führt nämlich den gedanken ad absurdum. haftstrafe abgebüßt. buße getan. da ist es scheißegal, welchem glauben diese menschen folgen, so lange sie nicht bei verlassen der zelle, bewaffnet mit einem scharfen ladykracher, die entführung von herrn schorlemmer, herrn hahne und herrn fliege fordern (gut, dass wäre nun einer meiner wünsche).
während man in der öffentlichkeit das rechtssystem auf der einen seite biegt, bis sich die freiheit erbricht, wird auf der anderen seite auch gebogen, nur da in einer weise, das einem der atem stockt. und wen interessierts? niemanden. weil hier würde sich der nebel ja zu sehr lichten.
gestern in der taz
Mann mit vielen Eigenschaften
Dennis Milholland ist Schriftsteller und polyglotter Übersetzer. Für Neonazis ist er homosexuell, HIV-infiziert, behindert und Jude - ein perfektes Opfer. Heute treffen sich nach einem Überfall beide vor Gericht: der Angeklagte und der Neonazi
