Mittwoch, 11.10.2006
17:42 » Ich möchte Sie gerne wieder sehen.
Ein schöner Satz. Sehnsucht mit Distanz. Höfliches Fordern.
Nachdrückliches Wünschen.

Gestern sah ich zu meiner eigenen Verwunderung mal wieder einen Deutschen Film, der zum Teil wunderbare Ideen, Charaktere und Szenen zu bieten hat.
Wer früher stirbt ist länger tot ist mit über 600000 Besucher nach einem bisher limitierten Start der Überraschungserfolg. Der elfjährige Sebastian nimmt die Welt wahr und leidet darunter. Er hört zu genau zu, er kann zu genau Zusammenhänge entdecken, und besitzt auch noch die Chuzpe, für sich die nötigen Konsequenzen zu ziehen.

Als sein größerer Bruder ihm sagt, dass er den Tod ihrer Mutter verschuldet, weil sie bei Sebastians Geburt gestorben ist. Ab hier werden für Sebastian seine Phantasie und Entschlossenheit zu einem Problem.
Dabei erscheinen seine Fähigkeiten zunächst wie Schwächen, weil seine Reaktionen komplett daneben wirken. Was daran liegt, dass er die Aussagen der Erwachsenen für bare Münze hält.
Die Erwachsenenwelt zeichnet sich durch verklemmtes Auftreten und hanebüchenes Lügen aus. Dementsprechend findet sich der Junge langsam aber sicher in einem Alptraum aus Schuld und Sühne wieder, der scheinbar unabwendbar in ein sicheres Desaster münden wird.

Doch hier beginnt die Qualität des Films:
Erzählerisch bricht er die Erwartungshaltung des Publikums. Schon die erste Szene führt die Zuschauer an der Nase rum. Zunächst wird eine stupide bayerische Welt dargestellt. Allerdings offenbaren die charakterlichen Verhaltensauffälligkeiten, dass es sich bei dem Gros der Dörfler um liebenswerte Originale handelt, die alle Probleme stumm ertragen.

Die vielen versteckten Leidenschaften und verborgenen Wünsche werden durch den Jungen sichtbar. Mehr noch: sie drängen in den Vordergrund und fordern ihre Rechte ein.
Sein Vater, der seit dem Tod seiner Frau, bei der Geburt von Sebastian einsam ist und sich gegen eine neue Beziehung sperrt. Der Radiomoderator, der die Liebe seiner Frau einfordert. Das kleine Mädchen, das unsterblich in den Jungen verliebt ist. Die Uroma, die ein letztes Mal fliegen will, bevor sie abtritt. Und natürlich die urbanen Legenden und wolpertingerschen Geschichten, die mehr oder weniger Realität werden und so den Rahmen für die Erfüllung der anderen liefern.

Der Film traut sich, surreale und absurde Szenerien zu entwerfen. Das gelingt zwar nicht immer, ist aber origineller, als das meiste, was in Deutschland ansonsten filmerisch erzählt wird.

Ich möchte ihn gerne wieder sehen. Den Film. Bald einmal…


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