Montag, 09.10.2006
10:22 » seltene dinge im wirren dasein
Je seltener die Edelsteine, desto teurer. Rosafarbene Diamanten sind seltener als die weißen und kosten deswegen mehr als das zigfache.

Wenn es danach geht. Nach Seltenheit, was ist dann ein Herz aus Asphalt wert? Ne ganz schöne Menge, würde ich mal annehmen. Vor allem, wenn das Vorkommen auf Wälder rund um Düsseldorf beschränkt ist. Auf ein Exemplar. Stichwort: Naherholungsgebietsmine. Stichwort: Wanderwegrefugium. Stichwort: Spaziergang mit dem liebsten Menschen.

So, genug der Mineralienkunde. Hans-Christoph sagte einst: Ach so, ja, dieser Stein; sehr schön. Dabei handelt es sich um eine trigometrale Pyridformation (oder so ähnlich). Von Hans-Christoph habe ich gelernt, mir massenhaft Remittenden anzuschaffen. Ansonsten war er der verwirrte Bruder von Loriots Figur aus Papa ante Portas. Der John Turturro der Frührentner also.

Ich bin ebenfalls seit jeher ein verwirrt Irrender. Ich irre mich oft und erst recht umher. So habe ich sehr wenig mit meinen Geschwistern gemeinsam. Die sind zumindest überzeugt, sich in ihrem Laufrad Richtung Nirgendwo, das absolut Richtige zu erstrampeln. Dagegen kann ich nichts tun. Habe selbst ich inzwischen gemerkt. Jemand, der sich oft irrt, will gerne seine Irrungen und Wirrungen (um Goethe mit ins Boot zu nehmen) teilen. Die will nur fast niemand hören. Sie erscheinen, vor allem dem Familienkreis wie durchgeknallte Episoden aus dem Blickwinkel eines Vollautisten.

Meine Schwester, mit der ich die ersten zehn Monate in einer Uterus-WG zugebracht habe, wird mir zusehends fremder. Nicht plötzlich, sondern man driftet seit Jahren immer mehr auseinander. Schwer aufzuhalten. Leider relativ leicht auszuhalten. Man kann es auf einen einfachen Nenner bringen:

Die eine, lebt nach dem Motto Schaffe, schaffe, Häusle baun…

Der andere eher nach: Schlafe, schlafe Lustschlössle schaun… (Schlösser hat Herr R. ins Spiel gebracht)

Dabei denkt die Schwester natürlich: Mensch, mein Bruderherz, der verdient Geld mit seinen Hobbys und strengt sich eh nie richtig an. Und der Bruder denkt: Mensch, ich weiß doch genau, was die denkt.

Verfahren. Dabei nicht zu ändern. Längst ist die schwierige Aufgabe dem entspannten Aufgeben gewichen. Nur die Liebe bleibt. Singt schon Klaus Lage? Der Sänger ohne Stimme und Aussehen:

Komm mach nicht son Gesicht, ich weiß ich hab versagt, ich hab die Welt noch immer nicht in Ordnung gebracht. Zehntausend Katastrophen. Stehn Schlange vor den Torn. Und trotzdem ist das Wichtigste noch immer nicht verlorn….usw.

Lage passt in jeder. Weil er nie auf den punkt kommt. Oder man hält nicht lange genug durch, weil es zu schlimm ist.

Außerdem fällt mir in letzter Zeit wieder auf, wie wenig ich in der Lage bin, mich zu konzentrieren. Es gelingt nur, wenn ich alleine in einem Raum sitze. Sonst brauche ich zehnmal solange, um etwa einen Text zu verfassen. Da stört mich jedes Geräusch. Ich dachte, ich würde mich daran gewöhnen, aber es gelingt mir nicht. Eine Lösung liegt in weiter Ferne.

Ja, seltsam. Seltsam, Herr Schmidt. Interessant, da erfahre ich erst jetzt, dass meine Person den Arbeitstitel für eine kurz laufende Serie im Deutschen Fernsehen geliefert hat. Und das, nach einer Begegnung von etwa vier stunden. Na, Eindruck mache ich wenigstens. Machte ich wenigstens. Wenn auch nur auf Monk-Niveau. Das können wenige von sich behaupten. Und die, die es können, werden meistens streng bewacht.

Ich muss mich nun darum kümmern, das Herz zu pflegen und auf ein Podest zu hieven. Das ist das wichtigste. Und das muss ich dieses Mal auch komplett als der seltsame Herr Schmidt angehen. Komplett Schmidt. Auch, wenn es mir nach wie vor schwer fällt, es in Gänze zu zeigen, weil schon Teilausschnitte der gelebten - sogenannten Authentizität - zu Störungen der Interaktion führen.

Aber der Versuch ist schon selten genug. Genau wie gewisse Pyridformationen…

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