Donnerstag, 14.09.2006
15:59 » remoulade gegen faulheit
als lebensversehrter geht man mitunter zum arzt und holt sich seinen schein für die medizin ab, die das leben erträglich machen soll. dann plant man immer schön ein, dass man zeitlich nicht bestimmen kann wie lange man brauchen wird, bevor man das zettelchen bekommt.

schließlich steht die armada aus pupsgesunden neunzigjährigen schon eine stunde vor eröffnung schlange und blockiert den durchgang. nur heuer war das nicht so. ich geh so rein, nehme den zettel und gehe wieder. kaum fidele rentner. wie kann das sein? dann fällt mir ein, dass die alle den ganzen tag vor dem fernseher sitzen, um den popen zu beobachten, wie er seine zähne fletscht und die lebensfreude versiegen lässt.

dadurch habe ich dann über dreizig minuten zeit am bahnhof neuss. eine ganz schön lange weile. einziges verlustierungsangebot ist die drehscheibe. die nette und freundliche bahnhofskneipe vom alten schlag. um viertel vor neun nehmen die menschen da ihr tagesbegrüßungsgetränk entgegen. und sowieso trinken da alle immer nur pils. da kann man sich nicht in ruhe hinsetzen und einen kaffee trinken. die styroporene wand- und deckenvertäfelung, die mahagoniholz imitieren soll entzieht den letzten lebensmut.

also hole ich mir an einem freundlichen kiosk ein leckeres käsebaguette. so startet man in den tag. die verkäuferin vertraut mir etwas an, "die remoulade, das ist das geheimnis". stimmt. ich bin ein großer freund dieser speise. mit kaffee und remouladenbaguette setze ich mich auf den bahnsteig, wo die sonnen mit meiner laune spielt und sie aus dem dunkel hervorlockt. na mensch!, denke ich noch, so schlimm isses hier ja gar nicht. so mit sonnen und remoulade. dann muss ich mir eine zeitung kaufen, weil ich gilbert adair einfach nicht folgen kann.

und im kiosk am bahnhof treffe ich auf frau a. hinter dem tresen. frau a. hat den gleichen nachnamen wie dieser mann.

es ist wichtig, sich den namen immer komplett ausgesprochen vorzustellen, wenn ich frau a. schreibe. aber ich will die anonymität wahren. gehört sich so.
frau a. ist eines der faulsten und dümmsten subjekte, die ich je zu gesicht bekommen habe. sie besitzt die körperhaltung eines quastenflossers den man aus dem meer gezogen und gezwungen hat aufrecht zu gehen. existenz ist für sie anstrengend. und als ich frage, na frau a. wie geht es denn?, antwortet sie mit, siehste doch, ich muss arbeiten. ja, frau a. zieht dabei ihre schultern hoch. in zeitlupe. wobei hoch nicht ganz richtig ist. ihre schultern stehen nach vorne und richten sich nach unten.
so als würden kleine helfer enterhaken in ihre schultern werfen und immer schön feste ziehen. ürbigens eine der erotischsten körperhaltungen, die man sich vorstellen kann. tolle ausstrahlung und eine gefestigte persönlichkeit werden so nicht signalisiert.

dann fährt frau a. fort und beschwert sich darüber, dass sie jetzt miete zahlen muss, seitdem sie von hause ausgezogen ist. natürlich geben ihre eltern was dazu. aber arbeiten muss sie trotzdem. neben dem jurastudium. das macht ihr auch keinen spaß. und sie würde am liebsten damit aufhören. aber dann wüsste sie nicht, was sie machen soll. sie wusste schon zu beginn des studiums nicht, was sie machen soll. deswegen hat sie es ja begonnen. auch mein hinweis auf die tatsache, dass die meisten menschen mieten zahlen müssten, führte bei ihre nur zu dem kommentar, ja, die meisten, aber warum ich?.

frau a. hat seinerzeit mit spango über eine ecke zusammengearbeitet. bei ihrem job musste man sich morgens in eine liste eintragen, wenn man mit der arbeit beginnt und sich austragen, wenn man die arbeit beendet. morgens hatte ich frau a. getroffen, wie sie missmutig ihre unterschrift in die liste setzte und mir dann verkündete, dass sie erst mal frühstücken gehen müsste. dann habe ich sie den ganzen tag nicht gesehen, bis ich sie abends traf wie sie im haupteingang zur türe reinkam. als ich sie fragte wo sie denn gewesen sei hat sie zuerst gesagt, dass sie das nicht sagen will. schließlich hat sie kichernd erklärt, dass sie in der uni gewesen sein, ich habe ihr dann gesagt, dass sie ja wohl ziemlich bekloppt ist und vielleicht mal aufpassen sollte, dass sie nicht erwischt wird. schließlich haben noch zehn andere innerhalb der gruppe gearbeitet. also auch gearbeitet. in echt gearbeitet. und diese arbeit war schon mehr als unterfordernd für jeden halbwegs aufrecht gehenden menschen.

danach dachte ich, sie hätte wohl daraus gelernt. ich wollte schließlich nicht die große petze spielen. als ich aber später in die liste gucke hatte sich frau a. noch schön ausgetragen, nachdem sie von der uni nochmal einen kurzen abstecher gemacht hatte. da habe ich sie nochmal angesprochen. sie sagte dann, sie wäre gar nicht in der uni gewesen. sie hätte nur spaß gemacht. darauf wies ich sie daraufhin, dass sie zumindest nicht gearbeitet hat. das bejahte sie. intelligentes mädchen. als ich dann fragte, wo sie denn gewesen sein kam als antwort wieder das kichern und die angabe, dass sie in der uni gewesen sei. sie hat sich dann auch geweigert, sich aus der liste nachträglich zu streichen, weil das ja doof aussehen würde. wir alle wissen, wer hier doof aussieht. natürlich hatten die anderen bemerkt, dass frau a. nicht gearbeitet hatte. schließlich wurde die arbeit in einem großraumbüro durchgeführt. intelligentes mädchen. die anderen haben sie dann zur rede gestellt. ich musste gar nicht petzen.

frau a. behauptete, gegen die wahrnehmung von neun anderen menschen, dass sie dagewesen sei. ich habe mich da mal rausgehalten weil ich gerne dabei zusehe, wenn jemand mit seiner dummheit wuchert und immer wieder den hohlen kopf gegen die wand schlägt. letztlich ist frau a. dann gegangen. die mitkollegen kamen sich einigermaßen verarscht vor.
nur frau a. war immer noch die alte. sie ging, wie sie gekommen war. gekrümmt, dabei von sich überzeugt, antriebslos, aber stets gestresst und schmerzfrei da lernunfähig.

auch in dem kiosk machte sie eine gute figur. sie erzählte, dass sie immer vier stunden am stück arbeiten müsste, auf vierhundert euro-basis. und nochmal, dass sie jetzt miete zahlen muss. dann kam ein kunde und wies darauf hin, dass gar keine ausgabe der süddeutschen mehr in der auslage liegt. frau a. sagte ihm, die süddeutsche sei ausverkauft. der mann trollte sich, frau a. kicherte und traute sich, mir anzuvertrauen, dass sie bisher schlicht zu faul gewesen sei, die zeitungen auszupacken. intelligentes mädchen.

und eigentlich machen mir faule menschen nichts aus. wenn sie nett sind, wenn sie die anderen nicht verarschen, wenn sie irgendetwas sympathisches an sich haben. aber im fall von frau a. ist das alles fehlanzeige.
eigentlich irgendwie ein unwichtiger text. mehr eine art verarbeitung für mich. ich reg mich immer noch auf. die schlampe...es ist nicht okay, wenn leute nur modder im kopp haben und es auch noch toll finden.

7 Kommentare

  1. glamourdick am 15.09.06 - 11:12
    (editiert: 15.09.06 - 13:12)
  2. Tod Spango am 16.09.06 - 10:35
    (editiert: 16.09.06 - 12:35)
  3. Tod Spango am 21.09.06 - 09:07
    (editiert: 21.09.06 - 11:07)
  4. Tod Spango am 26.09.06 - 16:13
    (editiert: 26.09.06 - 18:13)

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