Sonntag, 20.08.2006
13:45 » des golems dreifaltigkeit im spardosenquintett
nachdem der golem einen der letzten einkaufsspaziergänge in eine angemessene menschheitsdämmerung gehievt hat, gibt es neuigkeiten von der front der getarnten geschöpfe aus dem zwischenreich. wenn man sich in die fänge des discounterterrors begibt braucht man sich nicht zu wundern.
da spango momentan (wie lange noch?) komplett psycho ist, ist die möglichkeit auf unwillkommene reize zu reagieren seltsam gelähmt. weil er kreist ja um sich und seine unentschlossene entschlossenheit. wenn man selber unstet durch sein leben torkelt, kann man das allgemeine schwanken kaum ausgleichen.
und im ersten erleben kommt es mir vor, als würden die archetypen der verzweiflung tiefe risse in meiner angeschlagenen fassade hinterlassen. nartürlich nur mittelbar. fünf minuten später wirkt es nur noch wie eine episode aus the bold and the beautiful. series version underground. konvex von konkav. wenig später bleibt nur noch eine launige erinnerung an das übliche unverständnis gegenüber fremder lebenszipfel zurück.
ich stehe mit einem liter milch in der schlange an der linken kasse. zur rechten eine ebensolange schlange mit ebenso polternden geschöpfen. vor mir - wahrscheinlich eine sinti-und-roma-frau (gefangen in dem sie bezeichnenden paradoxon) - die immer nach hinten kippt und mir dadurch die milchtüte an meine brust drückt. dann dreht sie sich zu mir. lächelt. zwei goldzähne inklusive. und haucht mir ein wölkchen dujardin in die fresse. sogleich zieht sie sich wieder an ihrem einkaufwagen hoch und rollt ihrem vordermann in die hacken. dieser ist ein ziemlich junger mann mit importierter d&g-jeans, die er sich bis unter die schultern geschoben hat. mit leicht quiekiger stimme fährt dieser - nicht ganz zu unrecht - den sinti-und-roma-cognac-schwanker an. neben dem jungen mann steht ein sehr dünner, ziemlich alter mann, der sein seinerzeit kostspieliges fischgrätjacket ungelenk locker über seine schultern gelegt hat. mit seinen vier armen, von denen die zwei mit händen, goldener uhr und klobigen ringen schwacher wirken, als die leerstehenden röhren, die von unzeitgemäßen schulterpolstern getragen werden, fuchtelt er vor seinem importierten mit der importierten jeans herum und weist ihn darauf hin, dass er sich nicht aufregen solle. der dolce-fake greift sich die cocktailtomaten und schmettert sie stellvertretend für die archilles-ignorantin und die vierarmige gräte auf das band. dafür gibt es von der gräte einen zärtlichen knietritt ins hinterteil. und ein zwinkern für spango, der sich nur schwer hinter dem pendel aus goldzähnen verbergen kann.
in der rechten schlange fordert eine typisch-niederrheinische hausfrau ihren hintermann auf, ihr nich zu sehr auf die pelle zu rücken. dieser unklammert seinen flachmann, blinzelt trübe die wiese aus schlechten seidenmalereien auf dem oberteil der frau an, und schiebt angestrengt seinen blick hinauf zu dem empörten gesicht der hausfrau. dann grinst er - eher verzweifelt als verwegen und kommt ihr noch näher. spango greift sich ein herz (das wenig pochend in seiner ferse verstaubt) und bittet den schnurrbärtigen verlorenen den diskretionsabstand vor dem floralen vollausfall zu wahren. darauf der schnapsträger "du bist der nächste...!“ darauf spango "auf welcher liste?" darauf er wieder "auf der liste von der alten!". und schiebt sich noch ein stück auf die wiese. deren bepflanzung sich schon ein wenig ungesund einfärbt. die hausfrau fragt spango "was soll man mit solchen nur machen?" darauf spango "mit gelassenheit reagieren." darauf sie wieder "nein! denen muss man allen auf die schnauze hauen!". da ich beide standpunkte nicht teile wende ich mich ab.
inzwischen zahlt die sintiundromafrau. die gräte und ihr importierter packen ihren einkauf. als ich an ihnen vorbeiflüchte zeigt die gräte mit seinem rolex-arm auf spango und sagt "sollen wir den jungen mann nicht zum essen einladen" der importierte rümpft das näschen.
spango rümpft nix, weil seine nase für sich steht. wortlos verlasse ich den tetrapacktempel , überlege, warum ich nicht auf die milch verzichtet habe und nehme mir als erstes vor, dass ich dringend die gelfrisur, die mir eine halbe stunde zuvor der friseur verpasst hat, wieder abwandeln muss, damit die distanz wieder hergestellt wird.

2 Kommentare

  1. glamourdick am 21.08.06 - 12:12
    (editiert: 21.08.06 - 14:12)
  2. Tod Spango am 21.08.06 - 20:29
    (editiert: 21.08.06 - 22:58)

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