Nun ist es raus. Delling, bislang vornamenloser Sidekick des wohl elegantesten Furchenfußballers zwischen Geldern und Otzenrath, ist völlig verrückt geworden.
Einmal, so freute sich der Fernsehzuschauer während der WM im eigenen Lande, wird der Tag kommen, da diese beiden mürrischen Geriatrie-Gestalten ihren letzten Einsatz bekannt geben werden. Nun, da er da ist, herrscht Ratlosigkeit. Delling und Netzer, die Knetfigurenvarianten von Waldorf und Statler, trennen sich. Delling will sich anderen Herausforderungen widmen.
Allerdings ist der Job, den Delling sich als neues Betätigungsfeld für sich ausgeguckt hatte, bereits belegt. Nachfolger von Wickert wäre er gern geworden. Ganz unbescheiden. Ist ja auch die einzige logische Konsequenz. Das gefährlichste Krisengebiet ist für den Deutschen schließlich immer noch der Strafraum. Und da kennt sich Delling, dank Netzer, jetzt bestens aus.
Nun, die ARD, sonst nicht unbedingt helle, was die Postenbesetzung angeht, hat sich als Nachfolger des graumellierten Gebissreiniger-Galans nicht den Delling, sondern Tom Buhrow ausgesucht. Auf den ersten Blick hat da der Filialleiter gegen den Verwaltungsdirektor gewonnen. Buhrow, altgedientes Kommentatoren-Urgestein, versprühte seinen leicht leberwurstigen Zweireiher-Charme zuletzt via Schalten aus Washington. Delling hingegen hatte vor Ort die Fäden der Sportberichterstattung in der Hand.
Auf den zweiten Blick, den geschulteren, war es allerdings keine Wahl zwischen Pest und Cholera, sondern eher zwischen Morbus Crohn und Pfeifferschem Drüsenfieber. Verbaler Dünnpfiff trat gegen gediegene Ermattung an. Das Phlegma hat, wie so oft bei den Öffentlich-Rechtlichen, den Vorzug erhalten. Klar dürfte sein, warum! Denn bei niemandem konnte man sich besser vorstellen, wie er seine Anmoderationen gestalten würde. Also hat man sich gegen ihn entschieden. Eine Alternative wäre überhaupt nicht notwendig gewesen. Man war sich einfach sicher: Der nicht! Eher lassen wir Alexander Mazza Monitor moderieren!
Irgendwie will man ihn aber doch mal hören, den Dellingschen Auftakt zu einer weiteren täglichen Wundertüte charmanter Krisenherde und possierlicher Politskandale. Bleibt nichts anderes übrig, als ihn sich zu denken. Zum Beispiel am 1. Januar 2007, abends um 22.15 Uhr:
Deutschland schlägt ein neues Kapitel in der Wertedebatte auf: Ab heute ist alles einfach mehr wert, denn die Mehrwertsteuer steigt. Welchen Nährwert die Bundesregierung aus dem Mehrwert zieht, rechnet uns Bundesfinanzminister Mehr Steinbrück bereits seit Amtsantritt vor. Ein hochprozentiges Spielchen mit dem arg gebeutelten Geldbeutel der Bundesbürger. Was alles mehr wert wird und ob sich der Wert des Landes nun mehrt, erfahren Sie in ein paar Minuten mehr.
