
"Guido Knopp soll mal Geschichte studiert haben." Diesen Satz wünsche ich mir als Einleitung zur 13teiligen Dokumentation "Pofallas Pfundskerle", die 2058 auf Tele5 für Furore sorgen wird. Gesprochen von Werner Schulze-Erdel, den man kurz vor seinem Tod digital zwischengespeichert haben wird.
Jetzt, da die Wahrscheinlichkeit für mich, dieses Jahr auf geistiger Höhe zu erleben, zwar nicht abwegig, aber doch eher gering ist, bleibt mir nichts als diese kleine Fantasie, die mich im Schlaf, manchmal aber auch tagsüber als Wachtraum ereilt. Rote Buchstaben, eine martialische Typografie, industriell inspirierte Kunstkompositionen, die mit schneidender Geige und pochendem Stahlträger die Brisanz der Faktencollage tonal untermalen. Soundtrack einer charakterlichen Kakophonie. Ein promoviertes Fakultätsejakulat, dessen mühsam antrainierte Verbindlichkeit an all die uniformierten Hirnleichen erinnert, deren Kollektiv sich - Gott sei Dank - immer erst zu nachtschlafender Zeit aus den Großbanken, -kanzleien und -unternehmen dieser Republik in die House-Clubs und Nacktbars ergießt, um die deutsche Wirtschaft anzukurbeln. Haargel für die historische Einordnung. Behutsames Lächeln als wohlwollender Ablass. Böse Zungen behaupten, Knopp habe sich seinerzeit für die Finalshow des ZDF-Stumpfsinns "Unsere Besten" als Fürsprecher Adolf Hitlers gemeldet und sei erst auf Konrad Adenauer umgeschwenkt, als die Mainzelpenner sich dazu entschlossen, Adolf als nicht listenwürdig einzustufen.
Seine großen Erfolge als Schwarzweiß-Ästhetiker der deutschen TV-Dokumentation liegen nun bereits einige Jahre zurück. Um nicht in Vergessenheit zu geraten, hat et Knöpp'sche sein Oeuvre der medialen Resterampe Time Life überlassen, die nun mit dem prominenten Namen die Nazi-Telenovelas an wund gesessene Couch-Nostalgiker verhökern will. Ein echtes Highlight ist den Textern des Spots "Waffen SS" im Mittelteil gelungen:
"Zusammengestellt und recherchiert von Deutschlands führendem Historiker!"
Ist die PR-Abteilung von Time Life etwa subversiver als das Ramschsortiment vermuten ließe? Oder will man lautmalerisch bei heimattreuen Heiminsassen Pawlow'sche Reflexe auslösen? "Oh toll! Führend! Das vermiss ich doch jetzt schon seit geraumer Zeit." Diese findige Methode erspart uns immerhin den crossmedialen Overkill. Denn folgende Worte will man Meister Knautschzone wirklich nie sagen hören:
"Rufen Sie mich jetzt an! Die ersten 180.000 Anrufer erhalten eine Original-Kopie meiner Promotion mit einem authentischen Stempelschriftzug meiner Unterschrift!"
In meinem Hinterkopf höre ich schon wieder Werner Schulze-Erdel...

(editiert: 06.07.06 - 13:27)
(editiert: 08.07.06 - 12:19)