Sonntag, 02.07.2006
19:30 » Traum angehalten...
Eben war ich noch wach. Ich spüre es. Vor meinem geistigen Auge spielen sich Szenen ab, die so nicht geschehen könnten. Wenn ich nicht aufpasse, sitze ich ihnen trotzdem auf. Passiert ist schon so einiges. Daran beispielsweise kann ich mich erinnern. Ich weiß auch genau, dass ich mich gerade an etwas erinnern konnte, was sich in meinem dösigen Kopf abgespielt hat. Wenn ich nur rekonstruieren könnte, was es war. Mein Chef spielte darin eine Rolle. Das heißt, mein zukünftiger Chef. Also der Chef, den ich haben würde, wäre der Vertrag bereits unterschrieben. Aber man soll ja grundsätzlich nichts beschreien. Den Tag nicht vor dem Abend loben. Jaja! Was machen die denn plötzlich alle hier um mich herum? Einige kenne ich. Da ist der Döspaddel, den ich nicht ausstehen kann. Der mit seiner Leichenbittermiene und seiner beklemmend hinterfotzigen Art jede Party, jede Zusammenarbeit und jeden Dialog zwischen anderen Personen ersterben lässt. Und ausgesucht hässlich ist er heute wieder. Hat mal wieder vier Näche am Stück durchgehurt, die ausgemergelte Sackratte. Jetzt geht er. Kann er Gedanken lesen? Auf einmal? Warum nicht schon früher? Ich gehe davon aus, dass mein Chef irgendwas sagt. Ich verstehe ihn nicht und frage den Kollegen zur Linken, was er gerade verkündet hat. Der Kollege ist in Ordnung. Manchmal ein bisschen faul, aber charakterlich echt okay. Frustriert vom eigenen Leben laviert er sich durch die letzten zweölf Jahre seines Jobdaseins, bevor er in Altersteilzeit geht. Der hat's gut. Das Ziel bereits vor Augen. Was er mir sagt, überrascht mich. Hatte ich doch mit etwas anderem gerechnet, was mein Chef, also der potenziell zukünftige, den übrigen Anwesenden verkünden wollte. Irgendwas mit einem Knalleffekt. Ich kann mich nur nicht daran erinnern, was das sein könnte. Es muss etwas mit mir zu tun haben. Aber was? Alle gehen wieder zurück an ihren Arbeitsplatz, zwei reden noch kurz miteinander, scheinen sich über eine bevorstehende Aufgabe untereinander absprechen zu müssen. Ich folge ihnen. Weniger, weil ich wissen will, worüber sie reden, sondern eher, weil ich nicht weiß, wo ich sonst hingehen sollte. Obwohl der tief geschnittene Raum mit seinen annähernd zehn Türen genügend Möglichkeiten bieten würde. Warum gehe ich nicht einfach durch eine der Türen? Stattdessen folge ich den beiden Kollegen, von denen mir einer sogar noch außerordentlich zuwider ist. Aber die Türen scheinen keinen weiteren Reiz auf mich auszuüben. Ich schaue zurück. Die ersten Türen verschwimmen. Mein Blick geht wieder nach vorne. Der Widerling ist weg. Der andere auch. Ich konnte nicht erkennen, wer es war. Oder habe ich es schon wieder vergessen? Am Ende des Raumes steht eine Schwenktür offen. Ich passiere den Türrahmen. Alles schließt sich. Die Tür. Die Helligkeit. Das Raumgefüge. Ich kann mich kaum bewegen und habe trotzdem das Gefühl, frei zu sein. Ich denke. Das ist es! Denken funktioniert noch. Nur wie lange? Die Wände verharren, schmiegen sich an meinen Körper. Ich versuche sie beiseite zu drängen und merke, dass sie weichen, bevor ich sie berühren kann. Flüchtige Masse, die sich meinen Gliedmaßen anpasst. So muss sich Steve McQueen gefühlt haben, als er seinen Arm in den Blob hielt. Werde ich schon verdaut? Irgendetwas wird lauter. Ich höre es zwar nicht, aber es wird eindeutig lauter. Hämmert in meinen Schläfen, macht mich müde und dringt in meine Organe wie ein zweiter Herzschlag. Verloren suche ich den Ausgang. Da ist er ja. Ich hätte mich nur umdrehen müssen. Aber bin ich nicht genau aus dieser Richtung gekommen? Und wenn ja, was habe ich da gemacht? Die Tür öffnet sich. Es wird rot, dann gelb, dann Morgen. Der Wecker klingelt.
DerSven | Link | 1 Kommentar | Ordner: Alltagslap(p)alien

1 Kommentar

  1. Tod Spango am 03.07.06 - 15:45
    (editiert: 03.07.06 - 17:45)

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