Freitag, 16.06.2006
02:08 » Dodo-Domino
Norberts fahle Augen spiegelten nicht den Schmerz. Kurz zuckte Angst in ihnen. Angst, dass er nicht ausreichend funktionieren könnte. Er stützte sich auf einer freien Stelle am Boden ab. Er musste erst nach ihr suchen. Mit jeder Drehung um die eigene Achse rutschte der Wirbel hin und her. Leierte die für ihn vorgesehene und einstmals passende Mulde weiter aus. Wie die Achsen eines jahrelang bespielten Modellautos. Das Spiel, das Leben heißt. Da war sie schon wieder: Melodramatik, von der schlimmsten Sorte. Unverzeihlich, ineffizient und unnötig grüblerisch. Trotzdem beherrschte er sich und stürzte nicht animalisch über seine Dinge, die ihren Platz längst gefunden hatten. Als er eine Stelle fand. Endlich entdeckte, jaulte er auf. Wie eine dieser triebentfesselten Katzen, die ihn nachts aus dem Schlaf plärrten, dachte er noch. Als er nochmals plärrte. Ein zweites Plärren war indes ein Zeichen für ein wirkliches Problem. Ein zweiter Aufschrei seines Körpers, ungewollter Art, hatte er in den letzten Jahren verhindern können. Wieder stieg kurz Panik auf. Erlosch aber sogleich, als er langsam zu Boden sank und die Sache fand, die er fast vergessen hatte.

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