heute morgen dachte ich: der alltag. ein alptraum. zumindest im öpnv, dem ich dieser tage mindestens zweieinhalb (!) stunden (!!) ausgeliefert bin.
zuerst dieser bleiche mann. überall sonnensprossen. und sein rotblonder bart voller schweißtropfen (nein - nicht tröpfchen!). sitzt neben mir und versucht mir platz zu schaffen. ehrlich. nur wie, wenn ein knie schon den standardplatzbedarf in der zweiten klasse locker überflügelt?
aber immer noch besser als stehen. er trägt eine geschmackvolle lederweste - gefüttert - wen wunderts? mich nicht. ich sitze am fensterplatz und sein mief ummantelt mich von rechts. ich wende meinen blick elegant und wie ganz selbstverständlich auf die draußen vorbeiziehende landschaft aus allerlei gelump. dann der gleiche mief auch von links. nur eine spur älter. klar: seine lederjacke hängt am haken. und die jacke streichelt meine linke schläfe. gucke fortan geradeaus. auf den jungen mann mit migrationshintergrund. uiuiui und der guckt böse. nun, warum tut er das? das will ich beichten.
der zug war ziemlich rappelig voll. kaum sitzplätze. ich dränge mich durch die gänge (fast ein gedicht!). finde einen platz. zwar besetzt, allerdings nur von einer kleinen palette schattenmorellen. fröhlich frage ich nach dem besitzer. als welcher sich der junge mann mit migrationshintergrund herausstellt. er nimmt - leicht verzögert - sein fallobst an sich und auf seinen schoß. aber grimmig guckt er dabei. das mir, der ich menschen mit migrationshintergrund mehrere hundert meter huckepack nehme! kaum jemand tut aktiv mehr für die integration als spango. er guckt weiterhin als wollte ich ihm eine niere für lau abschwatzen.
dann rutscht mir mein kurzer vortrag über sitzschwaches obst und gemüse heraus. den hielt ich spontan vor jahren einer frau im bus, nachdem diese sich weigerte, den sitz neben sich für mich zu räumen. ich fragte (überaus höflich): ach, ihr staudensellerie - hat der es auch so mit der bandscheibe? ich wette, ich hatte mehr ops....; sie hat die wette nicht angenommen. und ich ein wenig geschummelt, weil meine bandscheiben sind tiptop. nur meine lendenwirbelsäule: schwach wie seit jeher die menstruationszyklen bei a. merkel (kalauer aus purem trotz). allerdings den sitzplatz - den hatte ich. leicht abgewandelt habe ich dem jungen mann migrationshintergrund meinen vortrag gehalten. ihn sogar spontan angepasst (kirschen: entweder hängen oder liegen - sitzen ganz schlecht).
deshalb schaut er mich die ganze fahrt sehr finster an. wenigstens der müffelnde mann neben mir hat gelacht (mensch - du bist ne marke!). dabei ein paar der tropfen auf seiner speckigen jeans niedergelassen.
übermüdet übersch(w)ätzt man seine mitbürger. ich wunderte mich auch, warum ich so müde bin. dann fiel mir ein: genau: die drei kölsch. trinke ich drei biere, so komme ich am nächsten tag kaum aus dem bett. die unsichtbare dicke frau sitzt auf mir und lässt mich nicht gehen. das macht sie schon seit jahren. vorgestellt hat sie sich noch nie. die bierfee.
ich erzähle als falschrum. spango memento. damit ist jetzt schluss. eigentlich wollte ich mir auch noch andere gestalten merken, die mir auf der fahrt über den weg liefen. viele waren es. ich dachte schon an einen titel wie "der alte spango und das heer". als ich den hinweg bewältigt hatte. da war noch der japaner, der mir gegenüber saß und sehr angestrengt meditierte. die anderen habe ich spätestens auf dem rückweg vergessen. und ein heer, das sind drei an der zahl kaum. wirklich nicht kampftauglich.
auf der rückfahrt riecht es bekanntlich schlimmer. in der kölner straßenbahn haben polnische foppesfans endlich mal das rheinland annektiert. neben mir dann zwei damen. und die eine schubbert an meinem oberarm während sie einen froschquaaksignalton auf ihrem handy ihrer freundin vorführt. sage ich: ihr frosch quaakt die ganze zeit! sagt sie: luustig ne?, gucke ich weg auf herrn h., der die achseln zuckt. bei der nächsten station steigen nochmal gefühlte 50000 polnische fans zu. das rheinland ist endlich verloren. mir wird es ein wenig zu eng. also rufe ich (aufgrund unangemessenem drängelns und schubberns): setzt euch doch alle auf meinen schoß! , sagt die froschfrau: wiirkliich? daas iisst aber ein neetes angebot!, dann kichert ihre freundin. herr h. hat wieder nix mitbekommen.
und ich schweige. kein wunder, dass ich die anderen des heeres vergessen habe. bei der niederlage. ich dachte auch an einen titel wie „nationen gegen spango“. neue facetten kann ich dem ganzen getröte aber nicht abgewinnen. es langweilt mich. nur manchmal werden
neue perspektiven
erschlossen.

(editiert: 15.06.06 - 14:25)
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(editiert: 17.06.06 - 18:24)