Sonntag, 11.06.2006
04:58 » GIhad
In letzter Zeit ist es ruhiger geworden um Camp Delta auf Kuba, wo innerhalb des US-amerikanischen Militärstützpunktes Guantanamo Bay seit mehr als vier Jahren hunderte vermeintliche Islamisten aus 38 Ländern, eingestuft als ungesetzliche Kombattanten, um ihnen den Status als Kriegsgefangene verweigern zu können, in einem juristischen schwarzen Loch dahinvegitieren. Vermehrte Aufmerksamkeit zumindest temporärer Natur scheint die internationale Presse dem Lager nur dann noch zu schenken, wenn es spektakuläre Nachrichten wie Kollektivselbstmordversuche zu vermelden gibt.
25 Häftlinge hatten sich laut offizieller Angaben insgesamt 41 Mal vergeblich umzubringen versucht, bis nun drei Insassen tatsächlich der Suizid gelang: zwei Männer saudischer Herkunft und ein Jemenit wurden erhängt in ihren Verschlägen aufgefunden.
Lagerkommandant Harry Harris ist stinksauer - auf die Toten. Seiner Empörung verlieh er in Form folgender Stellungnahme Ausdruck:
"Sie haben keine Achtung vor dem Leben, weder vor unserem noch vor ihrem. Es war kein Akt der Verzweiflung, sondern Kriegsführung gegen uns."
Nun, hinsichtlich des ersten Teils seiner Aussage ist Harris durchaus beizupflichten. Nach vier Jahren Zwangsaufenthalt in Camp Delta ist wohl nicht von einer ausgeprägten Lebensfreude auszugehen. Auch die dem Wachpersonal entgegengebrachten Gefühle dürften ob der Umstände der Gefangenschaft eher negativ gefärbt sein. Hier die Liste der Anfang 2004 seitens des Pentagons eingestandenen Täuschungsmanöver und Foltervarianten:
Drohung von Vernehmungsbeamten gegenüber einem Häftling, seine Familie zu verfolgen
Verkleben des Mundes eines Häftlings mit Klebeband wegen des Zitierens von Koranversen
Verschmieren des Gesichts eines Häftlings unter Angabe, die Flüssigkeit sei Menstruationsblut
Anketten von Häftlingen in fetaler Position
fälschliche Angabe von Vernehmungsbeamten als Mitarbeiter des Außenministeriums
Koran-Schändungen
Praxis des >>Waterboardings<<, bei der eine Person unter Wasser gedrückt wird, um den Eindruck des Ertränkens hervorzurufen
Weniger schlüssig scheint es hingegen, die Suizide als perfide Methoden der Kriegführung zu bezeichnen. Mögen sich auch täglich selbsternannte Gotteskrieger im festen Glauben daran, im Paradies von 72 Jungfrauen erwartet zu werden, unter Ermordung möglichst vieler weiterer Menschen in die Luft sprengen, >>normaler<< Suizid gilt innerhalb der islamischen Lehre gemäß keiner Auslegung als Heldentat. So heißt es etwa im Koran in Sure 3, Vers 146:
„Zu sterben steht niemandem zu, es sei denn mit Allahs Erlaubnis - ein Beschluss mit vorbestimmter Frist.“
Und in Sure 4, Vers 30 steht zu lesen:
„Tötet euch nicht selber. Siehe, Allah ist barmherzig gegen euch.“
US-Präsident Bush, während der Ära seiner exekutionsfreudigen Statthalterschaft in Texas mit dem Ehrentitel >>Gouverneur Tod<< versehen, zeigte sich laut Angaben eines Sprechers immerhin "ernsthaft besorgt" bezüglich der Ereignisse im Gefangenenlager Camp Delta. Wenn er nur wüsste, an wenn man sich wenden könnte, um die dortige Situation zu verbessern...

23 Kommentare

  1. Dr. B am 11.06.06 - 10:13
    (editiert: 11.06.06 - 12:13)
  2. Carlo Starkblom am 11.06.06 - 11:45
    (editiert: 11.06.06 - 14:08)
  3. Dr. B am 11.06.06 - 12:51
    (editiert: 11.06.06 - 14:51)
  4. Tod Spango am 11.06.06 - 13:29
    (editiert: 11.06.06 - 15:29)
  5. Dr. B am 11.06.06 - 14:29
    (editiert: 11.06.06 - 16:29)
  6. Dr. B am 11.06.06 - 15:11
    (editiert: 11.06.06 - 17:11)
  7. Carlo Starkblom am 11.06.06 - 18:37
    (editiert: 11.06.06 - 20:40)
  8. Tod Spango am 12.06.06 - 21:05
    (editiert: 12.06.06 - 23:05)
  9. Dr. B am 13.06.06 - 00:23
    (editiert: 13.06.06 - 02:23)
  10. Carlo Starkblom am 13.06.06 - 11:12
    (editiert: 13.06.06 - 14:49)
  11. Dr. B am 14.06.06 - 21:41
    (editiert: 14.06.06 - 23:41)
  12. Carlo Starkblom am 15.06.06 - 03:14
    (editiert: 15.06.06 - 05:14)
  13. Dr. B am 15.06.06 - 10:52
    (editiert: 15.06.06 - 12:52)

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