Auch sie hat ihre Freude dran - an technologischen Neuerungen, an der Fußball-WM, nicht zu vergessen betonungslosen Ansprachen. Angela Merkel mischt überall mit. Und ist trotzdem nirgends. Phänomen oder Schreckgespenst? Wahrscheinlich beides! Leider!
Schmidt hat einen, Pocher und Kuttner auch - da ist es für Angela Merkel nur logisch, sich in die Niederungen technischen Firlefanzes zu begeben und ihren eigenen "Pottkast" ins Leben zu rufen...oder zu gründen? Vielleicht doch eher zu verabschieden...ja, verabschieden, das klingt gut. Wie aus dem Handbuch patinierten Promo-Gefasels.
Dort scheint die Presseabteilung der Bundesregierung auch ihre Ideen abgeschrieben zu haben. Denn Angela goes future. Natürlich gibt's das auch in Deutsch. Da heißt das dann: Die Kanzlerin: direkt! Im Gegensatz zu indirekt. Damit das ja keiner verwechselt.
Die WM hat sich die findige Bran'nburerin als Start ausgeguckt. Eröffnung, Euphorie, Wir-Gefühl. Tolle Dinge, die alle von ihrer so gut wie nicht existenten Politik ablenken können. Denn vorzugeben, fleißig zu sein, das konnte Frau Dr. schon immer. Alles Arbeitssiege, die sie zu verbuchen hat. Das allein eint sie schon mit der National-Elf.
Darüber hinaus sind die Gemeinsamkeiten allerdings nicht so offensichtlich. Wenn auch vorhanden. Zurzeit übertüncht der allgemeine Taumel, "dass sich was dreht", die evidenten Mängel teutonischer Ballkunst. Nicht, dass Gurken auch einen WM-Titel einfahren können. Das hat die Walter-Elf gezeigt und uns angeblich vor dem Dasein als Arbeiter- und Bauernstaat bewahrt. Wird zumindest überall kolportiert. Aber ein Leben jenseits des Achtelfinales erscheint dieser Tage dann doch illusionär.
Trotzdem skandieren wir jetzt erstmal Poldi-, Schweini- und Ballack-Rufe, auf dass wir uns bis zum Finale derilieren. Auf diesen Effekt setzt Merkel auch seit ihrer Amtseinführung: Starke Truppe, Spitzen-Menschen, tolle Reformen. Das Schönreden ist das, was in der großen Koalition am besten funktioniert. Denn auf die Splittergruppen im Parlament hört ja sowieso keiner mehr. Zumindest nicht die Medien. Die lassen Kuhn, Westerwelle und Gysi nur noch zu Wort kommen, wenn sie Abstrusitäten von sich blasen sollen. Zu den eigentlichen Problemen wird geschwiegen. Weil hier sowieso keiner Ahnung hat. Am allerwenigsten die Bundesregierung. Solange das aber niemand verbalisiert und alle davon sprechen, "dass sich was dreht", geht der Deutsche wieder einkaufen und ist wieder wer. Diese Eigenschaft ist uns ja unter Gerd, dem Mann ohne Eigenschaften, abhanden gekommen.
Merkel fährt mit dieser Politik der ruhigen Hand ziemlich gut. Allerdings lässt sie so ungern andere für sich reden. Deswegen sagt sie jetzt selber nichts. Und das ziemlich beredt. Ohne Punkt und Komma, aber auch hörbare Höhen und Tiefen. Der Teleprompter - mein bester Freund. "Wenn die Sabine das darf, kann ich das schon lange machen."
Anhören muss man sich den "Pottkast" nicht. Einmal lacht man kurz, wenn Merkel davon spricht, dass auch sie sich für Technik interessiere. Weniger, weil man sich das nicht vorstellen kann, sondern weil die Begeisterung in ihrer Stimme das Vorrunden-Aus unserer Kicker vorweg zu nehmen scheint. Das war's aber auch schon mit dem erhofften unfreiwilligen Humor. Hat man alles schon gehört. Inhaltlosigkeit: Reloaded. Eine Rede zur Lage der Nation fürs Display gelangweilter Spitzenverdiener. Die Nationalkicker haben übrigens alle einen iPod.

(editiert: 10.06.06 - 11:24)
(editiert: 10.06.06 - 12:03)
(editiert: 10.06.06 - 21:40)