früher als ich noch bekloppt war habe ich ungefähr siebzehn menschen pro tag getroffen. warum? ads oder so. irgendwann hat das nicht mehr hingehauen.
eigentlich habe ich mich durch mein soziales netz gehangelt wie tarzan auf koks. habe alle affen weit hinter mir gelassen. folge: ich konnte kaum noch eine banane in ruhe schälen. ständiges magengrummeln erinnerte mich daran, dass ich schon wieder eine verabredung nicht einhalten. einen fest zugesagten termin nicht erfüllen konnte. mit dem schwund an kraft habe ich mir dann angewöhnt, meine (zu recht bestehende) energielosigkeit mit ausreden und - ja man kann sagen dreisten schummeleien zu tarnen. bis ich merkte, dass das noch viel mehr energie erfordert. der mensch lernt halt erst, wenn er jeden tag zur lymphdrainage muss.
heute renne ich zwar an manchen tagen immer noch wie ein gehetzter idiot durch die gegend, allerdings hat meine hyperaktivität stark nachgelassen. was übrig geblieben ist, ist meine schäbige fähigkeit, mich elegant zu verleugnen. sie schlummert in den spangonischen tiefen und wird nur im absoluten notfall ausgepackt. schließlich schämt man sich in meinem alter, wenn man mitmenschen irgendeinen kokolores erzählt. darin bin ich zwar meister, wende meine vertuschungsfähigkeiten, die perfide spango-dissoziation, aber wirklich nur bei rotem alarm an.
manchmal klappt es eben nicht. man ist ausgelaugt, will seine ruhe. menschen, die man zwar durchaus ertragen kann, werden zu schwarzen löchern selbstverursachter aggressionen. da entscheidet man einfach: nee, also bitte, da mach ich mal nen bogen rum. um den menschen. für heute. obwohl er mich erwartet. fremdschutz, selbstschutz, weltenschutz.
in diesem jahr habe ich das erst einmal gemacht. einem menschen, der die wahrheit in etwa so gut verträgt wie die glaubenskongregation, habe ich einen vortrag über die spangonische niederlage in sachen "freier mitarbeit" gehalten. also schlicht behauptet, ich müsse arbeiten bis spät in die nacht. dann bin ich zu einem anderen menschen gefahren, der mich gut kennt und mir entspannung schenkt. auch in zeiten nerviger degeneration. als ich dessen nasszelle besuchte, schellte mein mobiltelefon und es wurde abgenommen. nicht von mir. und wer meldete sich: der versetzte. dazu muss man sagen, dass der versetzte und der besuchte sich gut kennen bzw. kannten. der besuchte meldete sich - völlig einwandfrei:
hier bei spango...
der versetzte erkannte den besuchten nicht und nahm an, spango würde feixen (spango - lustiger typ). er sagte dinge wie: mit mir kann man es ja machen!, zu dem besuchten, der daraufhin dachte: oh nein, der psychopath! der bringt uns um!. deshalb versuchte er, möglichst kurz auf die vorwurfskanonade zu antworten (ja, ach, vielleicht, sartre? - ach so!, sicher, vorzügliche idee). ich wusste ja nichts von dem telefonat, weil ich auf dem klo eingehend in einem inneren dialog über das für und wider von blühenden kübelpflanzen auf terrakotta-terassen gefangen war (bei erschöpfung werden immer die großen themen abgehandelt). ich erschien gestärkt und sah den besuchten wie er panisch in richtung des hörers wedelte. ich ergriff diesen relativ gefasst an mich, nichts böses ahnend. der versetzte schwafelte noch immer. ich meldete mich: hallo hier spango, und führte ein etwas viertelstündiges gespräch, bei dem ich die sicherheit wiederherstellen konnte. der versetzte spielte mit, weil er nichts peilte. und das war wirklich gut und richtig. außerdem bin ich sehr froh, dass er das nicht liest. er besitzt schon einen ganz eigenen charme. eine mischung aus dioxinhaltigen entlaubungsmitteln und vanillisiertem schlagobers. der besuchte kann ihn nicht ertragen. ich in geringen dosen, weil ich die gefahr liebe.

(editiert: 07.06.06 - 09:14)
(editiert: 07.06.06 - 12:49)
(editiert: 07.06.06 - 15:26)
(editiert: 07.06.06 - 15:43)