Montag, 08.02.2010
an die urti muss man sich vielleicht einfach nur gewöhnen. zurzeit wandert sie eher sporadisch umher. weigert sich aber beharrlich, mich zu verlassen. interessant sind die quaddeln, die sich in die ohrläppchen begeben. das gefühl ist fast schon angenehm. vor allem im gegensatz zu den eindrücken, die sie in augenlidern oder auf fingerknöcheln hinterlassen. die kann man nicht gebrauchen.
was man auch bleiben lassen sollte, übrigens auf so gut wie allen ebenen, ist, etwas im internet nachzusehen. bei krankheiten landet man immer in selbsthilfeforen, die alle eine botschaft haben: keine weiß irgendwas und es geht bestimmt nie wieder weg. andererseits: es gibt schlimmeres. dadurch kommt nach einer kurzen panik auch eine gewisse realitätsnähe durch. die wahrscheinlichkeit für immer mit der urti rumzulaufen ist eher gering. und es gibt doch auch so vieles schönes, das einem die welt zu bieten hat. fließend wasser, sonne, ein paar menschen, an die man denken kann, wann immer man will und vielleicht auch lecker essen. kaffee, geschichten, die man sich erzählen lassen kann, gerüche von jenen und diesem und natürlich die möglichkeit, gewisse menschen überhaupt nie wieder sehen zu müssen. was ist dagegen schon die urti? ein kleiner lächerlicher plagegeist. einer der eigentlich zurecht daherkommt und sagt: pass up du doof! mach mal halblang, denk nicht nur an die netteren bestandteile deines daseins, sondern erleb sie mal wieder! in den ohrläppchen kann sie ab und an nochmal nach dem rechten sehen. ansonsten muss ich sie mit so etwas wie spangowellness wieder zurück beordern. die urti, die kleine schlampe, die sich im gegensatz zum restweltpuff dann doch eher niedlich gebärdet.
Sonntag, 07.02.2010
DAS wird bestimmt selbst für time-lord-verhältnisse speziell. habe vor kurzem nochmals THE KINDLY ONES gelesen. das beste comic, das ich kenne.
Samstag, 06.02.2010
die urti wird mich bald dazu bringen, alle hüllen fallen zu lassen. am angenehmsten ist es nämlich, wenn man nackt umherspringt, von einem zarten kalten lufthauch hautberuhigt. bei bedarf wären auch bedienstete schön, die die angepusteltsten regionen mit einer kühlen lotion einsprühen. nicht einreiben. anfassen geht gerade gar nicht.
zu gewissen ereignissen kann man nichts mehr kommentieren. fast ist es so, als bemühe ein mineraliensammler alte steinemetaphern. während er längst unter tonnen von geröll begraben ist.
Freitag, 05.02.2010


ich würde mich mit ihnen als kokosnuss in einer ananas einen gestickten fluss hinabtreiben lassen.
Donnerstag, 04.02.2010
THE REFLECTING SKIN ist einer meiner liebsten Filme. philip ridley hat endlich einen neuen geschrieben und verwirklicht, nachdem sein letzter film 15 jahre her ist. ich bin sehr gespannt...HEARTLESS TRAILER
treue ist ja was schönes. und selten genug. kommt nur darauf an, wer oder was einen immerzu heimsucht. es gibt schließlich regelmäßige nachrichten, auf die man verzichten kann. weil die absender es nicht schnallen. und man ist mit recht irritiert, wenn sich der rhythmus nicht verlangsamt über die jahre. tja. das glück im guten ist halt die kacke im schlechten. oder so. mitunter kehrt auch etwas zurück, das man eh niemals wieder begrüßen wollte. das hier zum beispiel. inzwischen steht es für mich als symbol für notwendiges umdenken. so als letzte warnung. ich als kirschplunder, passt halt nicht. bin ja eher herzhaft als fruchtig. eher gut abgehangen als frisch. die urti - wie ich sie nenne - ist so etwas wie die vorletzte trompete. danach kommen die schwarzen reiter. denen kann man nur aus dem weg gehen, wenn man sich mal endlich aufmacht und etwas ändert. das piepsen in den ohren kann man wegknipsen. den konditionsverlust auch. auch die schlechte laune unter einem gesicht verbergen, das scheinbar unaufgeregte konzentration versprüht. aber das jucken in den kniekehlen und die pusteln in der leistengegend sind ein zusammenspiel aus kitzeliger folter und dermatologischer entstellung, das man nicht ignorieren kann. stets denke ich, dass ich allen passanten mal zeigen müsste, dass das da unterum zwar schlimm aussieht, aber keineswegs ansteckend ist. und natürlich bald wieder weg sein wird. seltsam. als ich in der reha war, habe ich tatsächlich allen meinen besuchern ungefragt mein halb rasiertes untenrum präsentiert. was zunächst viele mit einem stummen nicken registriert haben, um anschließend zu konferieren, welche hirnteile denn da abgestorben sein müssen. weil ich ansonsten ja eher schamhaft bin. so dass ich, wenn die urti kommt, nur denke, das muss ich allen zeigen. machen niemals. spango der pustel-exhibitionist, zeigt den kölner fußgängern, was seine leisten gemeinsam mit der urti zustande bringen. wunderbar mäandernde spango-fraktale. in sich zusammen fließende strukturen voller ästhetischer fragen, die sich vor einer antwort scheuen. die pusteln wandern von der leistengegend richtung kniekehlen. dann unter die achseln und machen eine kurze rast hinter den ohren, um am hals für ein bisschen farbe zu sorgen. der hautarzt ist etwas desinteressiert und hält mich für etwas hysterisch, da er glaubt, die urti würde von selbst verschwinden. verschreibt mir dann ein antihistamin, das angeblich weder müde macht und noch dazu fröhlich so hoch dosiert werden kann, wie ich es möchte. ich kann nur müde gähnen. trotzdem gold gegen den schweinearzt beim letzten mal. obwohl treue belohnt werden muss, werde ich der urti nicht lange ein heim bieten. die pustelfarbe passt nicht zu meinen augen und wassereinlagerungen sind was für alte menschen. werde mich also bemühen den jung-und-gesund-modus anzuwerfen. nach entspannung suchen, wenn sie mich sie finden lässt. der urti weiter mit gespannter aufmerksam zu leibe rücken, bis sie sich zurück zieht. ich kann penetrant sein. treue ist schließlich eine meiner besten eigenschaften. im guten wie im schlechten. vielleicht gibt es auch ein paar bilder, wenn die letzten pusteln wieder meine lippen anschmollen.
Freitag, 29.01.2010
DAS MUSS MAN SEHEN
wissen sie eigentlich, warum so viele menschen bollywoodfilme lieben? ich nicht. und ich muss es ja auch nicht. wenn man titel wie "komm, tanz doch mit mir, wenn du mir schon schweißnasse liebeswallungen bescherst", "kunterbunte liebeskirmes" oder "für mich hat der himmelsherrscher das schönste stück holz zu einem träumchen geschnitzt, also tanze ich für dich wie bekloppt in buntem tant durch die gegend und werde dabei nicht nur von vielen buntgekleideten damen im hintergrund, sondern auch von einer alten frauensingstimme begleitet" hört - also man bin ich - zieht es mir schon durch alle extremitäten. das ist dann kein muskelkater, sondern eher ein verzweifelter muskelreflex aus fluchtnot.

natürlich befasse ich mich auch inhaltlich mit diesen reißern für frauen ohne hoffnung und männer mit eingebildeter romantischer ader. und ich kann ihnen sagen: gegen diese storylines wirken "killerclowns aus dem all" und "die nacht der creeps" wie authentische alltagsreportagen aus chauwelier nord. eigentlich habe ich nichts dagegen, hübsche menschen von blumenverzierten springbrunnen in zu engen klamotten tanzen zu sehen. auch schmachtende blicke und wirres liebesgesäusel, chiffriert in moralreinen ansprachen sind nun wahrlich nicht hassenswert. vielleicht nur etwas nervig.

warum geht mir dann diese mischung in letzter zeit so auf den sack? vielleicht stelle ich mir vor, wie menschen vor den fernsehgeräten sitzen und "ganz genau!" rufen, wenn shah rukh khan wiedergeboren wird, als reinkarnation seinen schnäuzer und seine frittigkeit eingebüßt hat, um dann die reinkarnation seiner ermordeten heimlichen liebe vor einem erneuten mord zu retten. weil - und davor habe ich angst - diese überhöhung von romantischer einbildung über sinn-zeit-logik - und vor allem - stilgrenzen hinweg, doch das eine sichtbar macht: in der realität bleibt alles so oarsch, dass viele nicht umhin können, sich genau in jenes wolkenkuckucksheim zu flüchten, wo der sauerstoffgehalt ganz gewollt gen null tendiert.

und dann in genau jenes der myriaden fluchtparadiese, an denen ich mit meiner wolke nicht einmal weit entfernt vorbeifliegen wollen würde. hier liegt zuviel zuckriges gelump herum. jeder ausgang ist verklebt. selbst die überfressenen putten müssen doch irgendwann kotzen, wenn die mehr als drei stunden lang immer die gleiche geschichte ansehen müssen:

junge liebt mädchen. einer oder eine weiß es aber noch nicht, während einer oder eine heimlich einer stillen sehnsucht frönt. beide haben immer böse konkurrenten, die ihnen in den weg scheißen. die konkurrenz ist aktiv und rücksichtslos, während die beide passiv-lullig durch die handlung tapern. selbst gandhi würde durchdrehen und ihnen wohl den gnadenschuss verpassen.

diese geschichte ist nur dazu da, um durch ein gerüst von sinnlosen tanz- und sangesnummern verlängert zu werden. hier wird dann schön geschmachtet, geweint und lamentiert - fast ohne berührung. am ende siegt der schlechte gesang und der abklatschende volkstanz auf grüner wiese, in hellen tempeln oder eben vor springbrunnen, über die eh nicht vorhandene wirklichkeit und führt zur befreiung. denn jetzt dürfen sich er und sie öffentlich anschmachten. anweinen. ansingen. und aus der entfernung antanzen. macht ja eigentlich nix. nur sitzen jetzt da menschen auf ihrem sofa. chips und der fernet sind leer - nur die augen voller tränchen. hat die liebe gewonnen?

nee - im grunde geht es honk und spacki in der flimmerkiste genau wie dem einsamen menschen auf dem sofa: nix mit fummeln und berühren, die zunge ist teufelswerk und nacktheit bleibt den haustieren überlassen. ich kann diese stories wohl momentan einfach nicht ertragen. schließlich bin ich wohl im stillen auch ein romantiker, der affektiv gehemmt ist. vielleicht bin ich auch nur ein bisschen traurig, weil DU STIRBST NICHT vorbei, weil ausgelesen ist.

das buch hat mir - wenigstens bilde ich mir das ein - viel echtes gegeben, das ich in meiner birne gerade gut gebrauchen konnte. kann auch sein, dass ich anderen ihre fluchtpunkte neide, weil ich selber keine finde, finden will, wenn ich manisch, aber handlungsunfähig bin. am wahrscheinlichsten ist, dass die machwerke einfach riesengroße scheiße sind. für spango.
Mittwoch, 27.01.2010

gerade der unbeteiligte blaue helfer ist für meine art der entspannung notwendig. er sucht nämlich noch nach seinem pilzschirmchen.